EGGE-WESER 1985/02 Band 3 / Heft 2 99-102

Schrifttum

SCHRÖPFER, R., R. FELDMANN & H. VIERHAUS (1984): Die Säugetiere Westfalens. Abhandlungen aus dem Westf. Landesmuseum f. Naturkunde, Münster, 46, H. 4. 393 S., gebunden 36.-, geheftet billiger.

Etwa hundert Jahre nach "Westfalens Tierleben in Wort und Bild" von Hermann LANDOIS hat sein Nachfolger als Leiter des damaligen "Westfälischen Provinzialmuseums für Naturkunde" und heutigen "Westfälischen Museums für Naturkunde", Professor Dr. Ludwig FRANZISKET, den Band über die Säugetiere als dritten eines Jahrhundertwerks auf den Weg gebracht. Vorher sind die Vögel (PEITZMEIER 1969, 2. Auflage 1979) sowie die Lurche und Kriechtiere (FELDMANN 1981) abgehandelt worden. Die hervorragende Gestaltung des Prachtbandes lag in der Hand von Dr. Martin BERGER, Dr. Brunhilde GRIES und H.-O. REHAGE.
Im sehr gedrängt gehaltenen allgemeinen Teil (46 Seiten) weist Dr. Reiner FELDMANN in Abweichung von den Roten Listen der Bundesrepublik (32) und der des Landes Nordrhein-Westfalen (35) 39 Säugetierarten den Gefährdungsstufen 0 (ausgestorben oder verschollen) bis 4 (potentiell gefährdet) zu. Das ist einsichtig: je kleiner ein Raum, desto mehr Arten fehlen oder kommen nur mehr vereinzelt vor. Mit 0 werden für die Bundesrepublik 1, für NRW 6 und für Westfalen ebenfalls 6 Arten eingestuft. Dabei gilt hier die Hausratte nicht mehr als verschollen. Nachdem Ende der 60er Jahre die letzten Altpopulationen erloschen waren, sind seit den 60ern neue Bestände eingeschleppt, aber rasch wieder vernichtet worden (v. BÜLOW 259-264). Hoffen läßt die Tatsache, daß 3 Fledermausarten von 1 (vom Aussterben bedroht; Rote Liste NRW 1979) jetzt für Westfalen nach 2 (stark gefährdet) umgestuft werden konnten. Das geht wohl nicht nur auf die Intensität der Fledermausforschung in diesem Gebiet zurück, obwohl die Abnahme bei vielen Säugetierarten noch nicht zum Halten gebracht werden konnte.
In die 79 Artmonographien haben sich 22 Bearbeiter - oft unter Zeitdruck - geteilt. Wie bei jeder Gemeinschaftsarbeit können nicht alle Beiträge gleich gut ausfallen. Doch wollte man nach zum Teil 15-jähriger Vorarbeit das Werk abschließen. "Wer immer nur Bestes bieten will, versäumt oft Gutes zu bringen." Aus unserem Mitgliederkreis arbeiteten mit G. STEINBORN (Wasserspitzmaus, Hausspitzmaus, Bechsteinfledermaus, Graues Langohr, z.T. Wasserfledermaus) und K. PREYWISCH (Brandmaus, z.T. Siebenschläfer).
LANDOIS kannte viel weniger Säugerarten in Westfalen, und davon sind noch einige ausgestorben. Nun wurden inzwischen manche Arten wissenschaftlich "geteilt". Sie waren zu seiner Zeit sehr wahrscheinlich auch schon bei uns. Dennoch ist man erstaunt über die Vielzahl von Neubürgern. Neben Bisam, Nutria, Waschbär bereicherte ein 1972 durchwandernder Elch die westfälische Fauna. Sika-, Dam- und Muffelwild wurden ausgesetzt oder gelangten in Freiheit. Daß auch schon freilebende Sippen von Burunduks und Minks zum festen Bestandteil unserer Tierwelt, auch in unserem Kreis, gehören, wird vielen neu sein. Der Marderhund aber scheint noch vor unseren Grenzen halt gemacht zu haben.
Alle Arten werden nach einem festen Schema abgehandelt: Verbreitung und Vorkommen, Bestand und Bestandesentwicklung, Lebensraum, Feinde, Jahresrhythmus, Fortpflanzung, Maße und Gewichte, weitere Angaben. Die Verbreitung wird auch kartografisch dargestellt, übrigens nach der gleichen Methode wie in unserem Heft 1983/2, das in das Buch eingearbeitet ist. Bei den Rastern allgemein bekannter und verbreiteter Arten, wie Igel, Eichhörnchen oder Erdmaus, fällt auf, daß etwa die Hälfte der Grundfelder weiß bleibt. Der Raum zwischen Egge und Weser beweist meist durch viele Punkte oder Kreise, daß er einigermaßen gut durchforscht ist. Unrühmliche Ausnahmen bieten Eichhörnchen und Maulwurf. Dieser ist als einzige Art in allen Grundfeldern Westfalens nachgewiesen - mit einer Ausnahme, dem "Warburger Wald", wo noch niemand von unserem Verein nach ihm gesucht hat. Beim Eichhörnchen haben wir allzugroße Untersuchungslücken.
Anders ist es bei den Fledermäusen. Dort haben wenige Spezialisten den ganzen westfälischen Raum recht gleichmäßig abgedeckt. Bei den jagdbaren Tieren treten an die Stelle der Punktrasterkarten Verbreitungskarten aus UECKERMANN (1979), außerdem Jagdstreckenkarten der Jagdjahre 1974/75 - 1981/82. Beim sehr eingehend behandelten Sikahirsch werden auch Autoren aus dem Kreis Höxter zitiert (SCHÜBELER, v. WOLFF-METTERNICH). Sonst gibt das gründliche Literaturverzeichnis nur Autoren unseres Vereins von hier an (BACKHAUS, HAPPE, HELDT, HOEPFNER & HAPPE, MERKEL, PEITZMEIER, PREYWISCH, SMOLIS, STEINBORN, VIETH). "Die Säugetiere Westfalens" werden bewirken, daß der Abschnitt Säuger in "Verbreitung der Wirbeltiere im Kreis Höxter" bald endgültig bearbeitet sein wird.
Das Werk kann wie die beiden vorausgegangenen Bände auch broschiert als Heft der "Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde" bezogen werden. Es ist kein Bestimmungsbuch. Es gehört in die Hand aller Feldbiologen und Zoologen Westfalens. Aber auch bei Jägern, Forstleuten, Schulen und allen an der Natur Interessierten wird es schon wegen seines Preises guten Absatz finden. In der Fachwelt wird es weit über die Grenzen unseres Landes als ebenso wegweisend gelten wie die "Avifauna Westfalens" und die "Amphibien und Reptilien Westfalens". Jetzt wünscht man sich natürlich noch einen Band über die Fische in gleicher Form.

Schriftenreihe der Landesanstalt für Ökologie. Landschaftsentwicklung und Forstplanung (LÖLF) Nordrhein-Westfalen.. Band 9 (1984): Naturwaldzellen IV, Weserbergland - Nachträge Niederhein. 102 S., 19,80 DM. Vertrieb Landwirtschaftsverlag, Postfach 48 02 10, 4400 Münster-Hiltrup.

Oft ist es wirklich angenehm, der Letzte zu sein. Dieser Abschlußband ist am besten ausgestattet, inhaltlich ausgereift und ermöglicht einen Vergleich mit der gegenüberliegenden Seite des Landes.
Die Bände sind vor allem für Forstleute gedacht. Muß deshalb auch für die naturräumliche Gliederung die Sprache von 1844 gebraucht werden? Es ist zu verstehen, daß man auf den beiden Übersichtskarten in groben Zügen der Gliederung der Bundesanstalt für Raumforschung folgt. Daß man von ihr den so abstrakten Begriff "Naturräumliche Haupteinheit" nicht übernehmen will, versteht man auch. Warum greift man nicht auf den Begriff "Landschaft" von Müller-Wille (1942) zurück, der eingängig ist und trotz einer fast hundertjährigen Diskussion auch "eindeutig" werden kann wie der Begriff Art in der Biologie. Und warum sind für die Landeskunde gleichwertige Einheiten wie Lipper Bergland und "Nordwestdeutsche Berglandschwelle" hier (S.10) einmal Wuchsbezirk und dann Wuchsbezirksteil? Weil die Landesgrenze einen Teil der Landschaft herausschneidet? Da wäre es doch klarer, in der Karte den Landschaftsnamen über die Landesgrenzen hinauszuführen.
In diesem Band werden die letzten 11 der bisher 48 Naturwaldzellen des Landes nach einem einheitlichen Verfahren beschrieben. Dabei bearbeiten 11 Autoren nicht nur der LÖLF, sondern auch des Geologischen Landesamts NRW und der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie Lage und Oberflächengestalt, Klima, Geologie, Boden, Vegetation, Bestandesgeschichte, Bestandesbeschreibung, tabellarisch die Bestandesdaten, schließlich die forstwissenschaftlichen Zielsetzungen.
Für den Nichtforstmann sind die forstlichen Abschnitte am besten lesbar. Geologie und Bodenkunde können ohne Fachausdrücke wenig aussagen, und der Abschnitt über die Vegetation bleibt ohne die zusätzlichen wissenschaftlichen Artnamen nicht eindeutig. Im ganzen ist die Beschreibung jedes Objekts eine gedrängte Momentaufnahme des heutigen Zustands. Dieser ist immer Kulturwald. Das kommt in jeder der Darstellungen ebenso ungeschminkt zum Ausdruck wie der Konflikt zwischen Artenschutz und forstwissenschaftlicher Zielsetzung. Der Begriff "Naturwald"-Zelle drückt nicht aus, was ist, sondern was werden soll. Der Weg zu diesem Ziel wird lang sein, aber begleitet von wissenschaftlichen Erkenntnissen von unschätzbarem Wert. Vorläufig scheint ein vollkommen natürlicher Wald noch unerreichbar, solange in den eingegatterten Kernen das Wild gar nicht und in den Außenbereichen überstark einwirkt. Hier kann nur die Jagd helfen.
Mit Ausnahme des Nammer Berges nordwestlich von Minden liegen alle vier restlichen Naturwaldzellen des "Weserberglands" im Süden unseres Kreises. Es handelt sich um Kalkbuchenwälder. Ihre besondere Problematik sprechen H. BÖTTCHER 1985 ("Wald-Naturschutzgebiet oder Naturwaldzelle - ein neuartiger Naturschutzkonflikt" in diesem Heft) oder - R.POTT (1981) an. Sicher deshalb ist im Hellberg eine Probefläche von R.WOLFF-STRAUB botanisch besonders eingehend untersucht und methodisch beispielhaft auf je einer großflächigen Karte, einem Diagramm und einer Tabelle, die dem Band beiliegen, sowie in einem ausführlichen Text dargestellt worden. Hier bahnt sich eine fruchtbringende Zusammenarbeit von Forst und Naturschutz an. Dabei sollte die Forstverwaltung genügend Waldfläche für den Artenschutz überlassen. Auf der anderen Seite könnte der Naturschutz auch einmal etwa einen Enzian-Zwenkenrasen für die natürliche Wiederbewaldung unter forstwissenschaftlicher Begleitung zur Verfügung stellen.
Prachtvoll ist die Ausstattung mit 28 Farbaufnahmen auf bestem Kunstdruckpapier und auf dem Umschlag. Im Großformat werden besonders typische Ausschnitte der Waldbestände gezeigt, im Kleinformat charakteristische Arten und -leider nicht für das Weserbergland- Böden. Es ist eine große Nachfrage nach diesen Bänden auch von Nichtforstleuten zu erwarten. Für die nächste Auflage schlagen wir vor, bei jeder Naturwaldzelle auch einen Kartenausschnitt in einheitlichem Maßstab beizufügen.

Der Regierungspräsident Detmold (1985): Naturschutz - Landschaftspflege im Regierungsbezirk Detmold. - RP DT -höhere Landschaftsbehörde, Postfach 5, 4930 Detmold; Geschäftsstelle: Regierungsamtsrat W. Schmidt 05231 - 71 51 01.

Mit 17 von 28 Seiten des dritten Hefts dieser Veröffentlichung beansprucht das Thema "Fischerei und Naturschutz" den Hauptanteil. Es will zu einem versöhnlichen Neben- und schließlich friedlichem Miteinander von Sportfischerei und Naturschutz vor allem in Naturschutzgebieten verhelfen. Das ist sicher auch unser Ziel. In dem Referat von A. BARTMANN steht der Satz für den Regierungsbezirk "Natürliche stehende Gewässer fehlen". Das stimmt zwar nach dem Landesfischereigesetz NRW von 1972. Flächen unter 0,5 ha fallen nicht darunter. Aber gerade in Quelltümpeln, Einsturztrichtern und den letzten Flütenresten überleben oft seltene Arten. Gerade sie sind von der Fischerei besonders bedroht, zwar kaum von den Anglern, umsomehr von den Züchtern. Im Zweifelsfall sollte hier der Naturschutz Vorrang haben. Nicht nur der Hauptartikel macht das Heft für Politiker, Verwaltungen und Verbände lesenswert. Neuregelungen im Landschaftsgesetz, Flußkrebse, Mitwirkung von Naturschutz bei wasserrechtlichen Verfahren, Aus der Rechtsprechung, Kurzmitteilungen und Leserbriefe sind ebenfalls von Interesse. Der Regierungspräsident hat als neue Telefonnummer 05231-710 und das Grüne Telefon 05231-71 11 22.

Schriftenreihe der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung (LÖLF) Nordrhein-Westfalen, Band 10 - KÖNIG, W. und F. KRÄMER (1950): Schwermetallbelastung von Böden und Kulturpflanzen in Nordrhein-Westfalen. 160 S., 1 Faltkarte, mit 20 Farbfotos, 34 Schwarzweißabbildungen und 65 Tabellen, 14,80 DM. Bezug siehe oben.

Dem Band liegt ein landesweites Schwermetall-Unteruchungsprogramm von Böden und Pflanzen landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzter Flächen zugrunde. Einleitend wird aufgezeigt, wie die Schwermetalle wirken, welchen Unschärfen die Untersuchungen unterworfen sind und welche Grenz- und Richtwerte zugrunde liegen. Die Arten der Bodenbelastungen werden aufgegliedert. Der räumlichen Differenzierung der Boden- und Pflanzenbelastung folgt eine beispielhafte Darstellung der Beziehungen zwischen Belastungsursache, Boden und Pflanze.
Die in dem Bericht enthaltenen Ergebnisse und Ausweitungen weisen das Nordwest-Münsterland und Ostwestfalen als fast paradiesische Winkel aus. Der Kreis Höxter ist frei von überbelasteten Böden, im Kreis Lippe gibt es an einer Stelle eine Störung durch Klärschlamm, und im Kreis Paderborn erscheint die Umgebung der ehemaligen Bergwerksorte Blankenrode und Bleiwäsche etwas belastet. Am stärksten belastet sind die ehemaligen Bergbaugebiete Stolberg und Mechernich, Teile des Stadtgebiets von Duisburg sowie Bereiche des Überschwemmungsgebietes von Rhein und Wupper. Allerdings sind die Probestellen im Westen des Landes viel dichter als im Osten.
Von dem untersuchten Brotgetreide hat Weizen dreimal soviel Cadmium wie Roggen aufgenommen. Von den Gemüsearten reichern vor allem Grünkohl, Sellerie und Spinat Blei und Cadmiun an. In der Regel werden in Blatt und Sproß mehr Schwermetalle als in den Früchten abgelagert. Die Belastung der Pflanzen hängt vor allem beim Cadmium von der Bodenbelastung ab, während Blei im Boden relativ unbeweglich ist und stärker aus der Luft auf Blattpflanzen abgelagert wird. Bei einem höheren pH-Wert des Bodens, wie er in unseren Kalkgebieten üblich ist, sinkt die Cadmium-Aufnahme der Pflanzen.
Wir können uns im Kreis Höxter recht sicher fühlen, wenn wir Pflanzen verzehren, die bei uns gewachsen sind.