EGGE-WESER 1986 Band 3 / Heft 3 144-147

Wintervogelbestände 1985 an Bächen im Kreis Höxter
- Ein Beitrag zur Kenntnis und zum Schutz der Fließgewässer -

von Martin Volpers x)

Bisher liegen aus Nordrhein-Westfalen nur sehr wenige planmäßige Beobachtungen über die Wintervogelbestände an Bächen vor (vgl. MILDENBERGER 1982, PEITZMEIER 1969). Da Vögel im allgemeinen gute Anzeiger für den Zustand von Lebensräumen darstellen, werden Vogelbestandsaufnahmen häufig zur Kennzeichnung und Bewertung von Biotopen herangezogen. Als ein Beitrag zur Kenntnis und zum Schutz der Fließgewässer im Kreis Höxter wurden im November 1985 an zwei Tagen vier Bäche abgegangen, um die vorhandenen "Wasservögel" zu kartieren.

Weitere Untersuchungen über den Sommervogelbestand sollen in nächster Zeit folgen.

In fünf Gruppen zu je zwei Beobachtern wurden am 20.11.1985 Schelpe und Grube und am 29.11.1985 Saumer und Nethe mit insgesamt ca. 40,5 km Bachlauf abgegangen. Dabei wurden die Ufer der jeweiligen Gewässer in deren unmittelbarer Nähe abgegangen und die beobachteten "Wasservögel" in Karten (1:25000) eingetragen. Schwierigkeiten und daher eventuelle Ungenauigkeiten ergaben dichte, angrenzende Gehölzstreifen und unzugängliche Uferstrecken innerhalb der Ortschaften. Dennoch kann durchaus von einem Erfassungsgrad von mehr als 90 % ausgegangen werden.

Die Kartierung wurde durchgerührt von folgenden Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Avifauna der Uni Höxter: Harald Baumgarten, Beate Behlert, Sabine Freundt, Katrin Heidtmann, Peter Köhler, Uta Sielaff, Alfred Volkmer, Heinrich Wacker, Jörg Wilke und Verf.

Das Wetter am 20.11.1985: bewölkt, -4 C, starker Ostwind, seit ein paar Tagen geschlossene Schneedecke; am 29.11.1985: bewölkt, 0 - +5 C, Schneeschauer, dann sonnig, klar, leichter Wind, seit 20.11. durchgehend schneebedeckt. .Nur ein langsam fließender bis stehender Nethearm (bei Erkeln) war zugefroren, der parallel laufende Mühlengraben jedoch eisfrei.

Die vier untersuchten Bäche gehören zur Forellen/Äschenregion (im Oberlauf), liegen zwischen 80 und 200 mNN und münden in die Weser. Saumer, Schelpe und Grube weisen Breiten bis zu 3 m auf, führen schnellfließendes Wasser und sind augenscheinlich nicht übermäßig verschmutzt. Die Nethe führt erheblich mehr Wasser, ist stellenweise erheblich breiter, aber ebenso rasch fließend. PREYWISCH (1963) nennt sie einen guten Lebensraum für Wasseramsel und Gebirgsstelze.

Wasseramsel (Cinclus cinclus) und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) konnten an allen vier Bächen festgestellt werden, dabei wurden Wasseramseln sowohl innerhalb der Siedlungen (z.B. in Lütmarsen und Höxter), in größeren Waldgebieten (an der Saumer) als auch an nahezu baumlosen Bachabschnitten (an der Nethe) beobachtet. Die Gebirgsstelzen wie auch unerwarteterweise die Waldwasserläufer (Tringa ochropus) bevorzugten eindeutig die Nähe der menschlichen Siedlungen. Dagegen waren Graureiher (Ardea cinerea), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) und auch die Krickenten (Anas crecca) dort zu finden, wo die Bäche durch offene Wiesen- und Weidelandschaft verlaufen.

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x) aus dem Lehrgebiet für Tierökologie der Uni-GH-Paderborn, Abt. Höxter.


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Bei der Wasseramsel, die auch im Winter in ihrem Brutrevier bleibt (MÜLLER in PEITZMEIER 1969), wurden neben Einzeltieren auch offensichtliche Paare angetroffen und einmal zwei kämpfende (revierverteidigende ?) Tiere gesehen. Gebirgsstelzen wurden einzeln und einmal ein lockerer Trupp von sechs Stelzen beobachtet. Alle anderen bisher genannten Vögel, bis auf die Krickenten, wurden ebenfalls einzeln oder zu zweit festgestellt .

Neben den in der Tabelle 1 und der Karte eingetragenen Arten konnten kleine Trupps (bis zu 8 Tiere) und einmal eine Ansammlung von über 250 Stockenten (Anas platyrhynchos) (bei Beller) auf der Nethe beobachtet werden. Je zwei Höckerschwäne (Cygnus olor) waren vor und hinter Amelunxen auf der Nethe, und eine weibchenfarbige Kornweihe (Circus cyaneus) flog in der Netheaue zwischen Hembsen und Bruchhausen.

Am 12.12.1985 konnte noch eine Wasseramsel an der Weser auf Höhe des Höxteraner Rathaus beobachtet werden, die zur Grube-Mündung flog und sich dort in einem Durchlaß niederließ (nicht kontrolliert im Rahmen der Bachbegehung). An dieser Stelle ist die Art von PREYWISCH (1962) als Brutvogel nachgewiesen.

In den Tabellen 2 und 3 sind die ermittelten Abundanzen von Wasseramsel und Gebirgsstelze der Bäche im Kreis Höxter mit publiziertem Material aus dem Rheinland (Nordeifel) zusammengestellt. Anscheinend gibt es bisher keine ähnlichen Untersuchungen aus Westfalen (vgl. PEITZMEIER 1969).

Es ist festzustellen, daß drei der untersuchten Bäche im Kreis Höxter (Saumer, Grube und Nethe) durchschnittliche bis gute Überwinterungsbäche für die Wasseramsel im Vergleich zu denen der Nordeifel darstellen. Für die Schelpe kann anhand dieser Kartierung keine so eindeutige Aussage getroffen werden, da mindestens an zwei Stellen, an denen sonst regelmäßig Wasseramseln angetroffen werden können, am 20.11.1985 kein Nachweis erfolgte.

Bei der Gebirgsstelze läßt der Vergleich auf eine gute bis sehr gute Überwinterungsqualität (-bedeutung) der Höxteraner Bäche schließen, zumal es sich nicht um eine milde Wetterlage gehandelt hat.

Die von WINK & GERSTBERGER (1977) gemachte Vermutung, daß "aufgrund der höheren menschlichen Besiedlung und Verschmutzung" die Dichte bei der Wasseramsel geringer wird, kann nicht bestätigt werden.


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Dies kommt in der Karte nicht so gut zum Ausdrucke, doch wurden allein sieben Wasseramseln ( 20 %) innerhalb der Siedlungen festgestellt.

Literatur:

BERGERHAUSEN,W. & A.GERKOWSKI (1978): Zählungen der Wasseramsel (Cinclus cinclus) und Hilfsmaßnahmen im Naturpark Nordeifel.-Charadrius 14: 44-47

KRAMER,H. (1968): Zählung v. Bachvögeln in der Eifel und Beobachtungen zur Biologie der Wasseramsel. -Emberiza 1: 184-187

MILDENBERGER,H. (1982): Die Vögel des Rheinlandes (Bd. 2).-Düsseldorf

MOLL,G. (1967): Zählung der Wasseramseln (Cincluc cinclus) an der Rur und ihren Nebenbächen. -Charadrius 3: 128-129 * ders. (1977): Zählung von Vögeln an der Rur (Eifel) und ihren Nebenbächen. -Charadrius 13: 15-16

PEITZMEIER,J. (1969): Avifauna von Westfalen. -Abh. Landesm. Naturk. Münster/Westf. 31, H. 3

PREYWISCH.K. (1962): Die Vogelwelt des Kreises Höxter. -Bielefeld/ Höxter

ders. (1963): Ein Gruppenschlafplatz der Wasseramsel (Cinclus cinclus). -Der Vogelring 31: 61-67

WINK,M. & P.GERSTBERGER (1977): Der Bestand von Wasseramsel (Cinclus cinclus) und Eisvogel (Alcedo atthis) im Flußsystem der Ahr (Vergleich 1964-1976). -Charadrius 13: 8-14


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