EGGE-WESER 5(1) 64-76 Herausgegeben im Auftrag des Naturk. Vereins Egge-Weser ... Höxter 1988

BESPRECHUNGEN

JAHN, H. -1986- Der "Satanspilzhang" bei Glesse (Ottenstein), Südniedersachsen. - Westfälische Pilzbriefe (10 - 11); 289 - 351. Detmold.

Auch der Untertitel: "Zur Pilzvegetation des Seggen-Hangbuchenwaldes (Carici-Fagetum) im Weserbergland und außerhalb" verbirgt noch die grundlegende Bedeutung dieser Arbeit.
1967 erschienen die "Pilzsoziologische (n) Untersuchungen in Buchenwäldern des Wesergebirges" von JAHN, NESPIAK & TÜXEN. Dem Andenken an R. TÜXEN ist diese Ergänzung gewidmet. Der damals einzigen Untersuchungsfläche bei Hameln werden acht weitere des nördlichen Weserberglandes zur Seite gestellt, davon eine - Elschenberg nw Vinsebeck (4120/3) - in unserem Raum, und zuerst mit vier anderen aus Thüringen, Belgien und Österreich, schließlich aber mit vier wärmebedürftigen Laubwaldgesellschaften auf Kalk verglichen, in denen die Buche spärlich oder gar nicht vorhanden ist. "Es zeigt sich, daß in allen diesen wärmebegünstigten Laubwaldgesellschaften auf kalkhaltigem Boden die von den Autoren als charakteristisch für die betreffende Waldgesellschaft angesehenen Pilzarten die gleichen sind ..Insgesamt bilden diese Pilze eine die Waldassoziationen 1) übergreifende Gruppe, oder eine Synusie 2) , . . Als Leitart, die in allen angeführten Wäldern genannt wird, kann Boletus satanas, der Satans-Röhrling gelten."

 

1) Waldgesellschaften

2) Kleine, oft zeitlich begrenzte Lebensgemeinschaft, meist auf Lebewesen , die zersetzt werden.

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LOHMEYER hat schon 1955 vorausgesagt, daß wahrscheinlich schon bald der größte Teil unserer Seggen-Buchenwälder Wirtschaftsinteressen geopfert würde. Er konnte damals nicht ahnen, daß heute die "neuartigen Waldkrankheiten" diesen Vorgang noch beschleunigen würden. "Die Menschen in unserer Zeit scheinen nicht in der Lage und auch kaum sonderlich daran interessiert zu sein, ihren Kindern und Enkeln die Lebensräume auf dieser Erde zu erhalten." Welch Gegensatz zwischen dem Beginn der begeisternden Schilderung der Entdeckung des "Sutanspilzhanges" mit seiner Überfülle seltener Pilze am 24.9.1968 und dem wehmütigen Abgesang. Auch der Bezieher der Westfälischen Pilzbriefe schwankt zwischen Freude über eine reife wissenschaftliche Arbeit mit sechzehn unübertrefflichen Farbaufnahmen - das Heft 8 mit fast 100 Seiten wurde umsonst geliefert - und dem Abschied von einer liebgewordenen Zeitschrift. "Dies ist das Abschlußheft der Westfälischen Pilzbriefe."

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WINKELMANN, W. & TRIER, B. -1986- Neujahrsgruß 1987 - Herausg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 4400 Münster. (85 S., DIN A 5).

TRIER meldet wieder Tätigkeiten des Amtes für Bodendenkmalpflege im Kreis Höxter. Auf Äckern bei Warburg sammelten Freizeitarchäologen der Volkshochschule Geräte und Scherben der jüngeren Linienbandkeramik (S. 23 - 24). Bei Rimbeck konnte der Grundriß der Befestigung um das bekannte Galeriegrab durch elektromagnetische Messungen ergänzt werden. Weitere jungsteinzeitliche Erdwerke wurden nordöstlich von Brakel und auf dem Schlachberg bei Daseburg aus der Luft erspäht und jetzt durch Grabungen nachgewiesen. Am Schlachberg kamen auch Reste von zwei Urnenfriedhöfen der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit zutage (S. 24 - 26). Spuren eines Galeriegrabes, 2.20 m breit und 26 m lang, wurden am Nordwestrand von Warburg aufgedeckt (S. 27 - 28). H. D. KRUS wies auf bisher nicht bekannte Grabhügel, Wölbäcker, Hohlwege und Kohlenmeilerplätze in den Gemeinden Brakel und Nieheim hin (S. 29). Den Bericht über verschiedene Grabungen in Höxter schmückt ein Bild schöner Keramik der Zeit um 1600 (S. 77 - 79).

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Naturschutzring Nordhessen(Herausg.) -1986- Naturschutz in Nordhessen. - Heft 9; 156 S.; DIN A 5.
(Für Nichtmitglieder des NRN zu beziehen durch Elke Baftari, Auf der Horst 2, 3501 Habichtswald-Dörnberg, für 8,- DM + Versand. )

Dieses geschmackvoll gestaltete und glanzkartonierte Heft verlockt zu einem Blick über den Zaun. Heute umfaßt das Arbeitsgebiet des Naturschutzrings, eines eingetragenen Vereins, die Region Kassel mit Stadt- und Landkreis Kassel, sowie den Kreisen Eschwege, Fulda, Hersfeld, Homburg, Korbach und Marburg. Eingangs berichten die Redakteure über die Planungen des NRN " Schulbiologie-Zentrum Kassel ", "Naturschutzinformations- und Fortbildungszentrum auf dem Dörnberg", "Floristische Kartierung im Raum Kassel". Programme zur Extensivierung der Landnutzung (Ackerschonstreifen-, Ökowiesen- und Anpachtungeprogramm) sind in Hessen 1986 angelaufen. Von 441 Gebieten, die 1982 in Hessen als schutzwürdig eingestuft waren, waren 1985 95 derart geschädigt, daß es nicht mehr lohnte, sie unter Schutz zu stellen. E. LEICHT stellt den Stand der Naturschutzgebiete am 31. 12, 1985 in Nordhessen in Karte und Verzeichnis dar. 108 NSG (davon 1985 21 neu) beanspruchen 0,47 % der Fläche Nordhessens. Aus "Zusammensetzung und Aufgabenverteilung des Naturschutzbeirates der Bezirksdirektion für Forsten und Naturschutz (BFN) Kassel" ersieht man, daß Probleme, Aufgaben und Arbeitsweise recht genau denen des Landschaftsbeirates beim RP Detmold entsprechen. Anders liegt es bei der Zusammensetzung. Von den zwölf Mitgliedern sind acht auch dienstlich mit ihren Sachgebieten befaßt, meist an der Gesamthochschule Kassel. Ebensoviele sind jeweils für einen Kreis zuständig. Der Beirat der BFW zeichnet auch für die beiden folgenden Beiträge verantwortlich: "Empfehlungen zur Gestaltung und Pflege der Ufer von Fließgewässern" und "Empfehlungen zur Pflege, Erhaltung und Anlage von Hecken". Aus der Auseinandersetzung mit anderen Nutzungsinteressen erwuchsen die Arbeiten über die Vegetation der "Kalkberge und Diebachsaue" bei Heiligenrode und über die Borstgrasrasen im Kaufunger Wald (mit Tabellen der Pflanzengesellschaften). Methodisch interessant sind "Auffällige Großinsekten als Indikatorarten für nordhessische Halbtrockenrasen" und "Zur Landschneckenfauna des Schartenberges bei Zierenberg". Dann wird der achte vogelkundliche Sammelbericht in ausgereifter Form vorgelegt. Eine Würdigung des Sommernachweises vom Karmingimpel, der sich ausbreitet, ein Nachruf für A. NIESCHALK und H. SAUER und zwei Buchbesprechungen schließen Heft 9 ab.

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Das Inhaltsverzeichnis für die Hefte 1-8 (1975 - 1985) listet 16 botanische, 19 zoologische, 38 naturschützerische und 16 sonstige Beiträge und 5 Biographien auf. Hervorragend: Vier ganzseitige Tierzeichnungen.

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HOFMEISTER, H. & GARVE, E. -1986- Lebensraum Acker: Pflanzen der Äcker und ihre Ökologie. Hamburg 6, Berlin: P. Parey. 272 S., 422 Abb., 19 Tab., ISBN 3-490-17018-0.

In einer Zeit, in der die Begleitpflanzen der Äcker an nicht wenigen Stellen wiederzukehren beginnen, schließt der "HOFMEISTER GARVE" eine bisher schmerzende Lücke. Der Laie lernt geradezu spielend Arten und Pflanzengesellschaften bestimmen. Das dankt er der verständlichen Sprache, auch den fast vollständig erklärten Fachausdrücken. Der Spezialist unterrichtet sich im Nu über das Nachbargebiet. Der Biologielehrer kann wegen der überschaubaren Artenzahl die vielen behandelten Fachgebiete leicht erschließen. Der Naturschützer wird Wert und Gefährdung einer Ackergesellschaft rasch beurteilen. Der "Ökonom" lernt den "Ökologen" verstehen und auch, worauf seine eigene Arbeit beruht und was sie bewirkt.

Ein Bestimmungsschlüssel und Kurzbeschreibungen führen zu den Kulturpflanzen, selbst zu Hopfen und Weinrebe, und zu ihren Begleitern, doch nicht zu allen Zwischensaaten. Jede Art ist auch kennzeichnend abgebildet. Ein Verweis auf die hervorragenden Farbfotos würde das Erkennen z.B. der beiden Frauenspiegelarten noch mehr erleichtern. Die Geschichte des Ackerbaus bedingte die Ausbreitung der Wildkräuter, schließlich auch ihre Abnahme, und führte zur Ausbildung kennzeichnender Gesellschaften, ökologische Gruppen der Ackerpflanzen zeigen die Bedingungen des Standorts oft klarer als Untersuchungen zu Klima, Boden oder Bewirtschaftung. Zu all diesen "Abschnitten" vermittelt das Werk die Kenntnisse, aber auch die Verfahren für eigene Untersuchungen. Da helfen viele Tabellen, zum Beispiel die klug ergänzte Übersicht der Zeigerwerte nach ELLENBERG. Da von den etwa 2600 Gefäßpflanzenarten Deutschlands weniger als ein Zehntel. behandelt werden muß, kann alles klarer und vollständiger ausgeführt sein und erscheint einfacher. Daß in dem Verzeichnis der Rote-Liste-Arten aller flächigen Bundesländer und der DDR 129 Arten stehen, untermauert den letzten Abschnitt, der uns besonders angeht: Gefährdung und Schutz der Ackerbegleitflora.

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Unser Kreis ist noch reich an bedrohten Arten. Da viele Landwirte auf unsere Vorschläge eingehen, sind mehr Ackerrandstreifen geschützt als im übrigen Westfalen. Trotzdem stehen wir erst an einem bescheidenen Anfang. Der "Lebensraum Acker" kann uns ein großes Stück weiterhelfen. Dem Verlag wünscht man nach den Bänden über den stark vom Menschen gestalteten Acker und den fast entgegengesetzten Lebensraum Wald noch ebenso sorgfältige und verständliche Führer in andere "Fliesen" unserer Kulturlandschaft. (Einzig gesehener Setzfehler: Tulpia, S. 225).

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Hier soll einmal die Gelegenheit genutzt werden, auf die Veröffentlichungen hinzuweisen, die das Niedersächsische Landesverwaltungsamt - Fachbehörde für Naturschutz - Postfach 107, 3000 Hannover l, im Auftrag des Niedersächsischen Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten herausbringt. Alle haben das Format DIN A 4. "Informationsdienst Naturschutz" ("IN", geheftet, ISSN 0724-2646) erscheint unregelmäßig - die vorliegenden Nummern allerdings monatlich - kostenlos für Naturschutzeinrichtungen. Der regelmäßige Bezug durch Einzelpersonen ist nicht möglich. Vertrauter sind wir mit "Beihefte zur Schriftenreihe Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen" ("BSNL", kartoniert, ISBN 3-922321-..-.) und der eigentlichen Schriftenreihe "Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen" ("NL" siehe Besprechungen in EGGE-WESER 1985/01: 47 und 1986/01: 152-153). Dazu erscheinen in gleicher Aufmachung, aber weniger umfänglich, sozusagen als Lieferungen, noch die Sonderreihen A und B.

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POHL,D. -1986- Statistik über die Naturschutzgebiete in Niedersachsen. - "IN" 6 (2). 11 S.

Am 31. 12. 1985 standen 1,8 % der "Landesfläche" unter Naturschutz. Davon waren 0,23 % erst im Laufe des Jahres 1985 dazugekommen. Darüber hinaus gehören große Gebiete, vor allem im Watt nicht mehr zur Landes-, sondern zur Landfläche. Diagramme und Karten, darunter eine Doppelklappseite sowie eine Liste nach Regierungsbezirken unterrichten über Name, Lage und nach Augenmaß auch über die Größe jedes Naturschutzgebietes.

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POHL, D. -1986- Stand der Ausweisung von geschützten Landschaftsbestandteilen in Niedersachsen. - "IN" 6 (3). 16 S.

Von den 49 Landkreisen und kreisfreien Städten haben neun bis 31. 12. 1985 Verordnungen über geschützte Landschaftsbestandteile erlassen. Sie sind nach den vier Regierungsbezirken zusammengefaßt. Meist handelt es sich um Baumsatzungen. Geschützt wurden auch Hecken, historische Wege, Gehölze, Gewässer und eine stillgelegte Bahntrasse. Musterverordnungen und Rechtskommentare schließen sich an.

 

GARVE, E. -1986- Liste der gefährdeten und ausgerotteten Ackerwildkräuter in Niedersachsen. - "IN" 6 (4). 6 S.

Von den 260 Arten fallen 35 % unter folgende Gefährdungsstufen: Ausgestorben oder verschollen (0) 20, vom Aussterben bedroht (1) 20, stark gefährdet (2) 26, gefährdet (3) 24, potentiell gefährdet (4) 1. Einige Arten sind nur im Flachland, nur im Hügelland oder in beiden unterschiedlich gefährdet.

 

BURDORF, K. & KAHRMANN, U. -1986- Die wichtigsten Vorschriften zu Naturschutz und Landschaftspflege für das Land Niedersachsen. - "IN" 6 (5). 11 S.

 

SCHÖPFE, R. -1986- Die Schlafmäuse (Gliridae) in Niedersachsen. - "BSNL", Heft 14, ISBN 3-922321-36-4,52 S., 7,- DM.

Aus der Literatur und aus der jüngsten Tätigkeit von etwa 120 Gewährsleuten und des Verfassers selbst ist diese gründliche Studie zur Verbreitung und zum Lebensraum von Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus erwachsen. Für jede Art stellt eine Karte die Verbreitung dar, wobei die Zeichen das Alter des letzten Nachweises sehr feingegliedert angeben: vor 1915, 1916-1945, 1946-1965, 1966-1975, 1976-1980. Während bei Siebenschläfer und Haselmaus die jüngsten Nachweise anscheinend überwiegen, sind sie beim Gartenschläfer in der Minderzahl und beschränken sich auf den Raum am Harz. Dabei gab es aus dem Zehnjahresabschnitt vorher noch 7 Fundstellen aus dem Weser- und Leine-Bergland. Der

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Verbreitungsschwerpunkt dieser Art liegt in Höhen von 400 bis 450 m in südgerichteten Lagen, meist an Grenzen von Fichtenwäldern zu offenen Lagen oder Laubwäldern. Der Siebenschläfer hat ein etwas größere Verbreitungsgebiet bis zur nördlichen Mittelgebirgsschwelle. Die Haselmaus geht auch in das Tiefland, beschränkt sich aber auf den kontinentaleren und trockeneren Osten des Landes. Da die Fachbehörde in Niedersachsen und das Westfälische Museum für Naturkunde nach dem Punktrastersytem kartieren und beide ein TK-25-Viertel als Grundfeld benutzen, lassen sich die Fundkarten hier und in "Die Säugetiere Westfalens" (1984) gut zusammenschauen. Das ist ergiebig, denn die Verbreitungsgrenzen aller drei Arten durchziehen beide Länder. Das niedersächsische Werk läßt auch noch Rückschlüsse auf die Siedlungsdichte zu, denn eine zweite Karte zu jeder Art gibt die Zahl der Fundorte pro Quadrant an. Am häufigsten ist erwartungsgemäß der Siebenschläfer nachgewiesen. Auch wird beschrieben, wie dieser Bilch ein Versuchsgebiet neu besiedelte, in dem 1969 Nisthöhlen gleichmäßig verteilt wurden. 1974 wurden in 23 von ihnen schon fast 50 Siebenschläfer nachgewiesen.

 

IRMLER, U. & HEYDEMANN, B. -1986- Die ökologische Problematik der Beweidung von Salzwiesen an der niedersächsichen Küste -am Beispiel der Leybucht- "BSNL", Heft 15 ISBN 3-922321-38-0, 115 S., 14,- DM.

Innerhalb von 3 Jahren wurden Flächen von je 10 ha vor den Deichen planmäßig von der Queller- über die Andel- bis zur Rotschwingelzone bei der Hälfte und einem Viertel der normalen Rinderdichte untersucht. Eine dritte Fläche blieb unbeweidet. Gemessen wurden Bodenablagerung, Verdunstung, Temperatur und Bodenwassergehalt, das Trockengewicht der gewachsenen Pflanzen sowie das Frischgewicht der Wirbellosen im Pflanzenaufwuchs, auf der Bodenoberfläche und im Bodeninnern. Weitere teilweise recht neue Methoden erfaßten die Tierwelt auf und über dem Boden nach Arten. Das Ergebnis wird in Tabellen und vielen eindrucksvollen Diagrammen dargeboten. Bezieht man die 25-jährige Forschung der Kieler Gruppe in die Arbeit ein, gehören die Salzwiesen der Nordseeküste heute zu den bestbekannten Ökosystemen Mitteleuropas. Die Verfasser reden einem gemischten Schutz bis zur abgestuften Beweidung das Wort.

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GOETHE, F. HECKENROTH, H. & SCHUMANN, H. -1985- Die Vögel Niedersachsens - Entenvögel. "NL-B", Heft 2.2, 150 S.,10 DM.

Schneller als man nach der 1. Lieferung (Heft 2.1 -1978- /Seetaucher - Flamingos) erwarten konnte, erschienen 1985 zwei weitere Lieferungen, die hier besprochene und 2.4 Hühner- und Kranichvögel, von den geplanten elf des speziellen Teils. Zu dieser Arbeit trugen über 600 Beobachter bei, über 500 Literaturquellen wurden ausgewertet. Dennoch sind bei Wasservogelzählungen längst nicht alle Quadranten erfaßt. Aber da diese Beobachtungen immer im Verhältnis zu den bearbeiteten TK-25-Vierteln auf den Karten dargestellt sind, wird eine bisher unbekannte Genauigkeit und Vollständigkeit für eine Landesavifauna erreicht. Für die Arten, die im Landesinneren brüten (Höckerschwan, Stockente, Krickente, Knäkente, Löffelente, Tafelente, Reiherente) gibt es - mit Ausnahme der Stockente - Verbreitungskarten, die meist auch die Stärke der Brutvorkommen kennzeichnen. Für die Reiherente ist nach der Gliederung von SCHOPPE (1986, s. oben) auch das Alter der letzten Brutnachweise kartiert. Der in früheren Jahrzehnten auf wenige Brutpaare beschränkte Bestand dieser Art wuchs ab 1961 mit geringer Zeitversetzung gleichsinnig mit der Zunahme künstlicher Gewässer auf 180 Brutpaare 1981. Etwa eine halbes Dutzend weiterer Arten tritt unregelmäßiger und seltener küstenfern brütend auf. Bei zahlreichen Arten gibt es starke Verschiebungen bei den Wintervorkommen.

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HENTSCHEL, H. -1987- Naturschutz in Ostwestfalen-Lippe. - DIN A 4, 116 S., Herausg.: Lippischer Heimatbund und Westfälischer Heimatbund. Münster und Detmold.

Der Verfasser, Sachbearbeiter beim Regierungspräsidenten, stellt seiner Geschichte des Naturschutzes im Regierungsbezirk Detmold "von den Anfängen bis zum Landschaftsgesetz", also bis 1975, eine Klärung der Begriffe Naturschutz, Landschaftspflege und Landespflege voran. Aus Klassik und Romantik erwächst in Deutschland allmählich der Naturschutzgedanke, bis vor 100 Jahren mit dem Wort Naturschutz auch die ersten Verbände dafür entstehen und der Gesetzgeber bald diese Gedanken aufnimmt. Je mehr wir uns der Gegenwart nähern, wird die Betrachtung raumbezogener, beschäftigt

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sich mit der Entwicklung in Preußen (für den ehemaligen Regierungsbezirk Minden) und im Land Lippe, schließlich in Nordrhein-Westfalen. Wir können hier nicht auf die Fülle der ständig wachsenden Probleme und der rechtlichen Versuche ihrer Bewältigung eingehen. Da muß man schon die Schrift selbst in die Hand nehmen. Ausgezeichnet die abwechselungsreiche Bebilderung mit lebendigen Erläuterungen. Den Anhang bildet eine Faksimilesammlung der wichtigsten Gesetze für Preußen seit 1902, Lippe seit 1920, Deutsches Reich ab 1935 und Nordrhein-Westfalen mit dem Landschaftsgesetz 1975 (1. Fassung). Im Vorwort werten die Vorsitzenden der beiden herausgebenden Heimatbünde die Wirkung und rasche Weiterentwicklung dieses Gesetzes recht positiv.

Aber das Werk geht weit darüber hinaus, nur Rechtsentwicklung aufzuzeigen. Es geht auf das Wirken der Menschen im Naturschutz ein. Greifen wir als Beispiel Heinz Kuhlmann heraus, der auch viele Jahre nebenher noch das Ehrenamt des Kreisbeauftragten für Naturschutz in Höxter (Altkreis) versah. Am 5.7.1935 wurde er Beauftragter für Naturschutz im Nordteil, später im ganzen preußischen Regierungsbezirk, behielt dieses Amt auch im nordrhein-westfälischen Bezirk bis fast zu seinem Tode (hier ein Beispiel für Schwächen der Computer-Korrektur:"...starb ab 18.10.1961 im verdienten Ruhestand..." laut Bildunterschrift S. 22; "Ab Sommer 1962 gibt H. K. sein Ehrenamt aus Altersgründen auf..." S. 33). Er hat in der Weimarer, in der Hitler- und in der Nachkriegszeit unentwegt in der Natur geforscht und für ihren Schutz gekämpft. HENTSCHEL veröffentlicht Teile seines Briefwechsels und seiner Berichte als Urkunden der Zeitgeschichte. Auch bei vielen anderen Menschen und Einrichtungen beleuchtet er in kurzen Schlaglichtern den zeitgeschichtlichen Hintergrund ebenso sachlich abwägend wie verständnisvoll. Leicht lesbar und lesenswert nicht nur für Leute vom Fach!

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BORCHARD, B., BRENNER, T. & STEINBERG, L. -1986- Fische in Nordrhein-Westfalen. - 127 S,, Herausg.: Der Minister für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Schwannstr. 3, 4000 Düsseldorf 30.

Wer mit der letzten Seite zu lesen beginnt, wird überrascht sein, auf den übrigen die erste zusammenfassende Darstellung der Fische des Landes zu finden. Für den Landesteil Westfalen

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gab es schon eine vor 95 Jahren! ( LANDOIS, Westfalens Tierwelt, 3.Bd.). "Fische in Nordrhein-Westfalen" entspricht in Format und Gestaltung den beschriebenen niedersächsichen Reihen. Den Inhalt verdanken wir Forschungen und Erhebungen der Landesanstalt für Fischerei in Kirchhundem-Albaum. 42 einheimische, 9 eingebürgerte und 9 eingeschleppte Fischarten werden nach Verbreitung (auf der Erde), Lebensweise, Vorkommen und Bestandssituation (im Land), Bedeutung , Gefährdung und Schutzmaßnahmen abgehandelt, am Ende übrigens auch Großkrebse und -muscheln. Für die noch auftretenden Arten: 7 der heimischen sind ausgestorben oder verschollen (17 %), 15 weitere verschieden stark gefährdet (36 %) - gibt es Verbreitungskarten. Darin ist das Gewässernetz bis zur Größenordnung der Eggel dargestellt und benannt. Für die Fundpunkte geben einmal Zeichen die Menge des Vorkommens an, zum anderen, ob das Vorkommen natürlich oder eingesetzt ist.

Verglichen mit "Die Verbreitung der Wirbeltiere im Kreis Höxter" (diese Zeitschrift 1983 (02)) ergibt sich eine fast 100%-ige Deckung der Verbreitungskarten bei den Groß- und auch den meisten Kleinfischen. Das stellt beiden Arbeiten ein gutes Zeugnis aus. Nur waren die Grundfelder (TK-25-Viertel) in unserer Arbeit für Fische sicher zu groß. Karten wie die für Bachneunauge, Schmerle, Flußbarsch und Karpfen lassen den Schluß zu, daß Albaum die fließenden und wir die kleinen stehenden Gewässer und Gräben besser erfaßt haben. Wir haben damals keine Vorkommen der letzten Jahre in unserem Kreis für Flußneunauge, Quappe, Bitterling, Steinbeißer und Schlammpeitzger kartiert, weil nur vereinzelte unbelegte Angaben vorlagen. "Fische in Nordrhein-Westfalen" gibt für diese Arten in unserem Raum einmal zwei und sonst einen Fundpunkt an, bemerkt aber, daß sie entweder kaum gesichert sind oder daß die Arten häufig ausgesetzt werden. Der Band enthält auch eine genaue Abgrenzung der Gefährdungsstufen nach der Roten Liste (mit den alten Kürzeln). Wie die einzelnen Arten einzustufen sind, erfährt man (mit neuen Kürzeln) aber erst auf den letzten Seiten einer zweiten Schrift aus der gleichen Quelle, die hervorragend ist: Schützt die Fische. -DIN A 5, 24 S., MURL. Hier lernt man ebenso anschaulich wie kurz sehr viel über die Lebensweise und -räume der Fische, über Artenrückgang und seine Ursachen und schließlich über den Schutz. Die Hinweise, wie man kleine künstliche Stillgewässer, sommerwarme wie sommerkühle, besiedeln und pflegen soll, sind zwar kleingedruckt, aber von größter Wichtigkeit.

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Beide Schriften zusammen sind ein erster, aber großer Schritt zu einem Werk, der den drei Bänden über Säugetiere, Vögel, Lurche und Kriechtiere entspricht, wie sie das Westfälische Museum für Naturkunde in den letzten Jahren für einen Landesteil herausgebracht hat.

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Lippischer Heimatbund (Herausg.) -1986- Naturschutzgebiete in Lippe. - 128 S., zahlr. Bunt- und Schwarzweißbilder. Für Nichtmitglieder 24,50 DM. Detmold.

"Die Schrift will nicht viele Ausflügler in die Naturschutzgebiete locken, denn unter dem Massenbesuch würden sie leiden. Wir gehen vielmehr davon aus, daß die Personen, die dieses Buch erwerben, die Natur zwar genießen und bewundern, sie aber in keiner Weise beeinträchtigen oder gar zerstören wollen" (A. EBERT im Vorwort) . Den sechs Verfassern geht es weniger darum, die Naturschutzgebiete möglichst gleichmäßig wissenschaftlich zu beschreiben, wie es die Handbücher für Westfalen oder Hessen tun. Sie wollen einer breiten Leserschaft verständlich und lebendig am Beispiel der drei alten Naturschutzgebiete Externsteine, Donoperteich-Hiddeser Bent und Norderteich die Vorgeschichte und Geschichte des Schutzes (K. ROHLFS), den Reichtum von Pflanzenwelt ( Helmut BRINKMANN), Vogelwelt (H. SCHIERHOLZ) und der "Niederen Tiere" (J. LÜTTMANN) vor Augen führen. H. JAHN berichtet zur Pilzflora des NSG Externsteine. Auf den restlichen 23 Seiten beschreibt H. BRINKMANN, der das Buch auch zusammengestellt hat, Hardisser Moor, Ölbachtal, Schlänger Moor, Emkental, Knappberg und Teimer vor allem aus botanischer Sicht. G. STEINBORN gibt einen Überblick über gefährdete Säugetiere in den Naturschutzgebieten Lippes.

Das Buch ist reich bebildert (fast zur Hälfte bunt) und geschmackvoll broschiert. Für Besucher der alten Naturschutzgebiete Lippes, die sich wirklich mit der Natur beschäftigen wollen, ist es unentbehrlich.

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LOOS, W. & BÖTTGER, R. -1986- Bahndamm - Lebensraum aus zweiter Hand. - 49 S., DIN A 4, broschiert. Herausg.: Stadt Unna, Referat für Öffentlichkeitsarbeit.

Fünf Jahre lang hat die Krötenschutzgruppe der Volkshochschule Unna 700 m der stillgelegten Bahnstrecke Königsborn-Welver nordöstlich von Unna untersucht. Dabei fanden Mitarbeiter 18 Säugetierarten am Damm und in der Nachbarschaft, 25 der 75 beobachteten Vogelarten brüteten auf dem Bahndamm, sechs Lurcharten wohnten darauf und laichten in den Gewässern an seinem Fuß. Die beiden Kriechtierarten leben nur auf ihm. Für die Schmetterlinge konnten die Bearbeiter auf ein Manuskript von H.J. WEIGT zurückgreifen. Zwei Drittel der Tagfalter (1000 Stück) fand er auf dem Damm, den Rest im Auwald, einer Insel im Stausee, im Dorf und die wenigsten auf Wiese und Feld. Auch für die Artenzahlen gilt die gleiche Reihenfolge, wenn auch nur ein Drittel auf dem Damm lebte. Auch bei anderen Kleintierarten und bei den Pflanzen ist er am artenreichsten. Die Schrift ist mit klaren Schwarzweißzeichnungen gut bebildert.

Es wäre zu wünschen, daß sie zu ähnlichen Arbeiten in unserem Raum anregt.

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WOLFF-STRAUB, R. -1986- Rote Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Pflanzen und Tiere. 240 S., 1 Faltkarte l : 500000. - Recklinghausen (LÖLF).

Nach sieben Jahren intensiver Arbeit zahlreicher Experten, vor allem des ehrenamtlichen Naturschutzes, liegt eine 2. Fassung der nordrhein-westfälischen Roten Liste vor. Ihre wichtigsten Ergebnisse:

1. Die Gefährdung der wildlebenden Pflanzen- und Tierarten ist seit 1979 insgesamt um rund 6 % gestiegen.

2. Von 3580 Arten der Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Pilze sind 1562 (=43,6 %) und von 1734 Arten der Tiere sind 864 (=49,8 %) gefährdet. Von diesen 5304 Arten, die untersucht wurden, sind 331 ausgestorben bzw. verschollen, 489 vom Aussterben bedroht, 702 stark gefährdet, 712 gefährdet und 192 potentiell gefährdet.

3. Erstmals gibt es bei den höheren Pflanzen eine Vorwarnliste, die solche Arten zeigt, mit deren Gefährdung alsbald gerechnet werden muß.

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4. Neu aufgenommen in die Rote Liste von den Pflanzen sind die Moose und höheren Pilze und von den Tieren die Muscheln und Schnecken.

5. Die Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen, Lurche, Kriechtiere und Schmetterlinge bezieht sich erstmals auf die Naturräume. ....

6. Eine vorläufige Rote Liste der gefährdeten Lebensräume wurde entworfen. Es zeichnet sich ab, daß etwa zwei Drittel aller Biotoptypen und -Strukturen gefährdet sind.

Dieser Zusammenfassung läßt LÖLF-Präsident Albert Schmidt einen Dank an die Mitarbeiter außerhalb seines Hauses folgen. "Eine Rote Liste der gefährdeten wildlebenden Pflanzen- und Tierarten würde es allerdings ohne den ehrenamtlichen Naturschutz überhaupt nicht geben." Die Öffentlichkeit und wir können der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung diesen Dank nur erwidern. Frau Dr. Wolff-Straub hat als Redakteurin hier in einer großen Anstrengung die Arbeit von zahlreichen einzelnen Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Verbänden zusammengefaßt. Wir möchten der obigen Liste einige weitere Punkte hinzufügen:

7. Weggelassen wurden gegenüber der ersten Liste der Käferteil, aufgenommen ist ein Abschnitt über die naturräumliche Gliederung.

8. Gewachsen sind die Zahlen der Textabbildungen um 17 %, der Seiten um 126 % und der Angaben zur Gefährdung um 774 %.

9. Dagegen stieg der Preis nur um 34 % auf 19,80 DM.

10. Die Zahl der verschollenen und vom Aussterben bedrohten Arten der höheren Pflanzen sank (!) von 207 auf 194, ein Ergebnis der intensiven Feldarbeit der letzten Jahre. Dagegen mußte die Zahl der Sippen, die als stark gefährdet, gefährdet und potentiell gefährdet einzustufen sind, von 323 auf 433 heraufgesetzt werden.

Diese neue Rote Liste wird die Arbeit der Forscher und Naturschützer weiter voranbringen. Sie liefert allen Benutzern ein viel feineres und umfassenderes Gerät zur Beurteilung gefährdeter Landschaftsteile. Wollen wir hoffen, daß sie hilft, die Abnahme seltener Arten und Lebensräume bis zur nächsten Ausgabe zu bremsen.

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