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EGGE-WESER 6(1) Seite: 68-75 Höxter 1989

Besprechungen

Es hat sich eine Menge von Büchern und Zeitschriften angesammelt, die besprochen werden wollen und sollen. Hier bringen wir eine kleine Auswahl.

Vor allem sind Karten und Schriften ausgesucht, die unter das Stichwort "Fremdenverkehr" fallen. Daß der Tourismus gerade bei uns vielen Brot gibt, ist heute ebenso geläufig wie daß seine Entartung der Natur Schaden bringt. Und damit auch dem Menschen. Keines der Werke, die wir besprechen, hebt den lehrhaften Zeigefinger und weist darauf hin, was ein "Auch"-Naturliebhaber anrichten kann. Auch wollen wir das nicht. Fast allen kann man vertrauen. Bei den Ausnahmen hilft Mahnen nicht.

So sind wir aufgerufen, die guten Seiten des Wanderns in der Landschaft zu fördern. Dazu helfen die Wanderwege, wenn wir sie dorthin lenken, wo wir die Natur am besten kennen lernen und die Landschaft genießen können, und von dort fernhalten, wo sie Gefährdetes noch stärker gefährden. Wer raten oder warnen kann, soll es tun, bevor die Baumaschinen angeworfen werden. Die Behörden danken das heute!

Wenn die "weiße Industrie" überborden sollte, darf die Gemeinschaft aller Beteiligten nicht zögern, das Wegenetz wieder einzuschränken.

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Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg. in Zusammenarbeit mit dem Kreis Höxter) - 1989 - Radwanderkarte Radweg R 1 - 2. Aufl.; Bielefeld (Bielefelder Verlagsanstalt KG), 23 cm x 23 cm.

Der Kreis Höxter arbeitet sich bei den Radwanderern Westfalens immer weiter nach vorne. Er hat die Federführung für diesen praktischen Wanderführer übernommen, wie er auch schon beim Zustandekommen des R l kräftig in die Speichen griff.

Die ganze Strecke von etwa 275 km ist auf 19 Blättern, natürlich aus wasserfestem Leichtkarton, deutlich genug dargestellt, daß man den Führer auf dem Lenkrad in einem käuflichen Halter festmachen und während der Fahrt lesen kann. Man muß nicht zu oft umblättern, wenn es auch die Ringbindung leicht macht. Während man es tut, sollte man einen Blick auf den Text werfen, den der Rücken der Karte vorher trägt. Da erfährt man, wo es Speise, Trank und Bett gibt. Größere Orte an der Strecke machen sich mit einer Kurzbeschreibung bekannt und nennen Sehenswürdigkeiten, Freizeitmöglichkeiten sowie Anschrift und Rufnummer der Auskunft. Text und Karte sind durch Zahlen und Zeichen verbunden. Auch kann man das Kilometerrädchen sparen. Auf Blatt l werden wir unterrichtet, was an der Grenze zu den Niederlanden zu beachten ist. Von dort führt der Radweg übrigens bis ans Meer weiter.

Es gibt noch mehr Nützliches. Eine Karte mit Tabelle zeigt die Anschlüsse zu den Bundesbahnstrecken, eine andere (1: 10.000) die Altstadt Münster. Daß OKD SELLMANN durch einen Kurztext für den Kreis Höxter wirbt, ist nur verständlich. Die Werbung setzen 6 Seiten ausgesuchter Buntbilder und eine Karte des Weserradwegs R 99 fort.

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Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) -1989- Freizeitkarte l : 50.000 Kreis Höxter - Der Oberkreisdirektor (3470 HX l, Moltkestr. 12; Hrsg.) -1989- Begleitheft zur Freizeitkarte. Zusammen in Klarsichttasche 13 cm x 21 cm; DM 12,80

Beide Teile des schon äußerlich schmucken Werkes beruhen auf der oft recht aufwendigen Vorarbeit und der Gestaltungskraft des Katasteramts Höxter. Die Fläche des Großkreises hat man geschickt auf einem Blatt von 95 x 60 cm untergebracht. Man hat es nämlich auf beiden Seiten bedruckt und jedesmal den Streifen Beverungen-Erkeln-Neuenheerse wiedergegeben. So kann man mühelos von der Nord- auf die Südhälfte überwechseln. Grundlage ist die neueste Verwaltungskarte des Kreises, die den Zustand von 1987 darstellt. Sie umfaßt 9 Blätter der Topographischen Karte l : 50.000. Die 6 nordrhein-westfälischen erkennt man an der kräftig grünen Signatur für Gartenland. Die Schwarz- und Violett-Töne der Verwaltungskarte sind hier in einem milden Braun gedruckt.

So heben sich die 54 kleinen, doch gut unterscheidbaren Zeichen und die Linien zum Thema "Freizeit" mit ihren kräftigen Farben von der Kartengrundlage ab, ohne sie zu erdrücken. Mit ihren Grenzen erscheinen die beiden Naturparke und die Naturschutzgebiete. Eine kräftig punktierte Linie hebt die beiden Rundwanderwege des Kreises hervor, für die es ja eigene Führer gibt. Von den sehenswerten oder sonst wichtigen Punkten sind viele nur in Auswahl darstellbar, so Gast- und Forsthäuser, Kirchen, Ruinen und Museen, sicher auch die (Bus-) Haltestellen.

Das Begleitheft ist gefällig und deutlich gedruckt. Mit seiner Fülle von teilweise ganz hervorragenden Bunt- und Schwarzweißaufnahmen macht es Lust, den Text auch zu lesen. Auch der wählt seine Schwerpunkte so geschickt, wie die Bilder es tun. In munter dahinsprudelndem Deutsch erfährt der Leser dann vieles, was die Karte nicht sagen kann. Doch sind Karte und Wort geschickt durch 48 Hinweiszahlen verflochten. Eine Tabelle der Freizeitangebote unserer Städte erleichtert den Gebrauch des Büchleins, 3 Ausschnitte l : 25.000 ergänzen die Hauptkarte. Als elfte Stadt zeigt sich das hessische Trendelburg mit 4 Seiten Text und einem (geplanten!) Grenzsteinweg auf der Karte nachbarlich verbunden.

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Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) -1988- Geologische Wanderkarte l : 50.000 Naturpark Eggegebirge - Bildlicher Teutoburger Wald. - 62 cm x 93 cm gefaltet auf 12,6 cm x 23,6 cm. Vertrieb: GLA, De-Greiff-Straße 195, 4150 Krefeld l, Best.-Nr. 14-00 03. 11, DM.

Jetzt reiht sich auch das Geologische Landesamt in die Schar der Herausgeber von Wanderkarten des Maßstabs l : 50.000 ein. Hier trägt das Blatt das geologische Bild auf einem Streifen 32,5 cm x 85 cm. Er ist zusammengesetzt aus vergrößerten Teilen der Geologischen Karten l : 100.000 Blatt Paderborn und Korbach (s. unten). Doch hat der geologische Fachbearbeiter (J. FARRENSCHON) den Inhalt noch etwas vereinfacht. Die Schichten der Kreide z.B. sind von 15 auf 7 Farben zusammengefaßt. Ihre Töne sind kräfiger, die Symbole eingespart. Erdfälle, von denen es hier viele gibt, sind in Auswahl eingezeichnet. Das Zeichen für geologischen Aufschlüsse findet man im geologischen Schlüssel. Zwei Querprofile in den Höhen von Horn und Neuenheerse verdeutlichen Falten- und Bruchtektonik.

Die geographische Bearbeiterin (B. PLATZBECKER) legt über die Kartengrundlage (Bearbeitungsstand 1986) die Linien und Zeichen ähnlicher Wanderkarten. Daß das Symbol für Hauptstraßen dort weggelassen ist, wo die Grenze des Naturparks darauf liegt, wird manchen Autofahrer in die Irre führen. Das Wanderwegnetz ist viel feiner durchgegliedert als in der Freizeitkarte Kreis Höxter, die Wegezeichen stehen daneben. Die Linienführung unterscheidet sich an vielen Stellen, obwohl die beiden Blätter in aufeinanderfolgenden Jahren erschienen. Im Wegeverzeichnis und in der Karte fehlen die beiden Kreiswanderwege auch dort, wo sie nicht Vereinswegen folgen. Dagegen sind diese auch aufgelistet, wenn sie den Kartenausschnitt gar nicht berühren.

Die Rückseite enthält einen erdgeschichtlichen Überblick in Tafelform, zugeschnitten auf die Karte l : 100.000. Gedrängt und treffend der Text zu Geologie und Oberflächengestaltung. Wertvoll eine Karte der geologischen Strukturen.

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Meisterhaft abgefaßt sind 33 Kurzbeschreibungen zu besuchenswerten geologischen oder historischen Sehenswürdigkeiten, Früchte der Zusammenarbeit der beiden Autoren. Sie allein rechtfertigen schon der Erwerb der Karte und sind so interessant, daß sie jedermann auch zu den entlegeneren Punkten locken und mit umfassenden Kenntnissen belohnen kann. Die Karte ist so aufgebaut, daß man als Wanderer gut hinfinden kann.

Kurz und recht vollständig unterrichten zwei Verzeichnisse über Karten und Schriften, die noch weiterführen. Schließlich erfährt man auf dem Umschlag den neuesten Stand der geologischen Kartierung unseres Arbeitsgebietes, den wir hier wiedergeben. Wir ahnten nicht, daß wir offene Türen einrannten, als wir in EGGE-WESER 1986/02,232, den Wunsch nach C 4318 Korbach äußerten. Das Blatt erscheint in diesen Monaten.

Anmerkung:

Die Karten l : 25.000 sind außer durch den Buchhandel zu beziehen durch:

  1) Geologisches Landesamt NW, Postfach 1080, 4150 Krefeld
  2) Geocenter GmbH, Postfach 808030, 7000 Stuttgart 80
  3) antiquarisch (vergriffen)
  Die Karten l : 50.000        wie 1)
  Die Karten l : 100.000       C 4318 Paderborn wie 1)
                               C 4718 Korbach: erscheint 1989.
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HESSE, D. -1988- Waldlehrpfad Ziegenberg Stadtwald Höxter - Stadt Höxter (Hrsg.). Westerbachstr. 45 - 83 S. DIN A 5 , 46 Abb. (Schutzgebühr l, DM)

Was die Diplomingenieurin für Landespflege, unterstützt vom Staatlichen Forstamt Bad Driburg, verfaßt hat, sprengt den üblichen Rahmen eines Lehrpfadführers. Neben den Gehölzen eines älteren "Arboretums" hat sie die Gesteine und Böden, die Bodenpflanzen eigentlich vollzählig ausgeschildert und kurz und treffend beschrieben. Die Insekten und Fledermäuse sind an den Stellen erwähnt, wo man sie am ehesten beobachten könnte. Ein Spechtbaum ist ebenso ausgewiesen wie ein Aussichtspunkt mit treffender Landschaftsschilderung. Verschiedene Formen des Waldzustands und Waldbaus werden gezeigt. Die wichtigsten Wald- und Forstbäume, Buche, Eiche, Fichte, sind gründlichst behandelt. Dieser Hauptabschnitt (17 - 73) macht schon beim Lesen die vorausgehenden wichtigen Einleitungen lebendig. Die Geschichte des mitteleuropäischen Waldes seit dem Tertiär, nach der Eiszeit immer stärker vom Menschen beeinflußt, und die Waldgeschichte des Ziegenbergs innerhalb des Stadtwaldes Höxter rahmen ein Kapitel über den Wald als Lebensgemeinschaft ein. Sie sollte man lesen, bevor man sich durch den schönsten Teil des Ziegenbergs führen läßt. Der Fremde wird es vielleicht nur gelegentlich schaffen, der Einheimische sollte es sich öfter im Jahr gönnen. Beiden dient die Tabelle der Blütezeiten (75 ).

Verfasserin und Stadt haben dem Naturfreund mit dem Büchlein einen Einblick in das Leben des Waldes geschenkt. Das schöne Beispiel sollte viele Nachahmer finden, auch noch einige in unserem Kreis.

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Der Oberkreisdirektor des Kreises Höxter (Hrsg.) -1987- Jahrbuch Kreis Höxter 1988. - 270 S., 9,80 DM, Moltkestr. 12, 3470 Höxter 1

Für alle Freunde von Natur und Landschaft lohnt es sehr, diesen Band von vorne bis hinten zu durchstöbern. Die Beiträge dazu stehen in der Mehrzahl außerhalb des so benannten Abschnitts. W.D. RÖHR berichtet unter anderem über die neuen Freilandlabore für den Studiengang Landespflege der UNI-GHS in Höxter (S. 15-18). An der Schilderung des neuen "Dorfteichs" (K. SCHONLAU, 51-54) in Natingen kann man ermessen, wie verschieden die Auffassungen sind und wie rasch sie sich wandeln, wenn man mit den Teichen in Ottenhausen vergleicht. Hier in Natingen geht es allerdings um den Ortsmittelpunkt, wo eine fast reine Renaturierung wie dort (s. folgende Besprechung) langer Überzeugungsarbeit bedurft hätte, So ist hier ein Parkteich entstanden, die Arbeit eines Gartenarchitekten, weniger eines Ökologen. Während sich F. BORNEMANN mit dem technischen Ausbau der Weser seit 1823 beschäftigt (S. 71-73), klärt M. WILLEMSEN auf das gründlichste die Verhältnisse in und an der Weser unterhalb Stahle um 1750 anhand der Quellen von 1700 bis heute. (Der Mönchewerder bei Stahle, S. 167-183). Auch dem hessischen Vulkanismus widmet sich ein Artikelpaar. D. SCHULZE beschreibt exakt Erschließung und Qualität der Neuen Therme in Bad Driburg (S. 87-93). F. OVERKOTT kennt die wirtschaftliche Bedeutung des nördlichsten Vulkans in Mitteleuropa von 1834 an (S. 115- 118). "Der gut gestaltete Bauernhof" ist ein Wettbewerb des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes e.V., der 1986 ablief. Er sollte (E. HANISCH, S. 119-124) "positive Beispiele hervorheben und ... Bewußtsein für landschaftstypisches Bauen und Erhalten schaffen". 1982 ist ein Wettbewerb Hofeingrünung vorausgegangen. Schön wäre es, fände der Kreisverband weitere Lücken in der Landschaftspflege, die bisher offen geblieben sind. H. SCHÄFERS (S. 125-127) verdanken wir einen wertvollen Bericht über das gegenwärtige Krautbundbrauchtum in Vinsebeck mitsamt den Volksnamen für die letzten 6 Arten. Doch stöbern wir weiter: S. 55 - ein Hinweis auf den Starenschlafplatz am Norderteich um 1900, S. 141 u.f. - der Dichter-Pfarrer Sommer entpuppt sich als passionierter "Botanicus" (sind Aufzeichnungen erhalten?), S. 216 -1837 fördert ein neugegründeter landwirtschaftlicher Verein Flößwiesen, Röthegruben und die Erprobung neuer Futterkräuter und Handelspflanzen.

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Der Oberkreisdirektor des Kreises Höxter (Hrsg.) -1988- Jahrbuch Kreis Höxter 1989. - 300 S., DM 9,80

Das fast jedes Jahr zu wiederholende Urteil: "Dieses Jahrbuch ist noch besser als das letzte" wird langsam zur Sprechblase. Aber 1989 ist für natur- und landschaftskundllch Interessierte besonders ergiebig. Für die Eröffnungsartikel (MUSSENBROCK, SELLMANN) sei auf die Besprechung "Radweg R1" verwiesen. Zusammen machen die beiden Beiträge von HANISCH und besonders KÜHNE lebendig, wie die Bauern unsere Landschaft seit Jahrtausenden gestalten. Das scheint auch in LEIFELD "1100 Jahre Lütgeneder" immer wieder durch. Ein Häppchen für Vogelkundler ist die Aufnahme des letzten Storchennests im Dorf (1925). Wie rasch der Fremdenverkehr für unsere Wirtschaft, aber auch für die Landschaft wichtig werden kann, zeigt "Vörden: Staatlich anerkannter Erholungsort" (JUNG). BAUMEIER bringt mit "Das Paderborner Dorf und seine Sozialstruktur" wichtige neue Gesichtspunkte in die Geschichte unserer Bauern.

Unseren eigenen Abschnitt "Natur und Landschaft" eröffnet PREYWISCH mit "Geliebte Bäume". Darin weist er nach, daß schon 1904 der Altkreis Höxter das Baumparadies von Westfalen war. Acht der Recken von damals, die heute noch leben, stellt er in Wort und Bild vor. Die drei größten stehen übrigens im Altkreis Warburg. "Seltene Rohr- und Wiesenweihen im Kreis Höxter" von LAUDAGE läßt Hoffnung aufkeimen, daß unter Landwirten und Jägern sich die Einstellung zu den Greifen so stark gewandelt hat, daß hier schon ausgestorbene Arten wieder zurückkehren. "Ein Heimatverein voller Ideen" (LÜCKING & GENSICKI) möge ein Beispiel geben, wie man in und um einen Ort wieder eine Fülle von Lebensräumen schaffen und dabei "unser Dorf schöner" machen kann. Mit "Das Ackerrandprogramm" bricht Marie-Luise WEIFFEN eine Lanze für ein Vorhaben, für das unser Verein als erster im Regierungsbezirk erfolgreich gekämpft hat.

In den Abschnitten "Kunst und Kultur" findet der Leser eine solche Zahl weiterer Quellen zur dörflichen und städtischen Entwicklung, zur wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Geschichte, daß Raumgründe die ausführliche Besprechung verhindern.

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