www.egge-weser-digital.de — Beiträge zur Naturkunde zwischen Egge und Weser 19 (2007) 095-127 hier: 097-098

Jahresbericht 2006 der Landschaftsstation im Kreis Höxter

Bearbeiter: Dr. Burkhard Beinlich (Dipl.-Biol.), Frank Grawe (Dipl.-Geogr.), Sven Mindermann (Dipl.-Agraring.), Uli Wycisk (Dipl.-Ing.), Walter Köble (Dipl.-Geogr.)

1 Einführung

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2 Erstnachweise und Wiederfunde aus der Tierwelt

Seit einigen Jahren werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die heimische Flora und Fauna intensiv diskutiert. Eine ganze Reihe von eigentlich südlich verbreiteten Tierarten zeigt aktuell Ausbreitungstendenzen nach Norden hin – dies gilt auch für den heimischen Raum (vgl. z.B. Lohr & Mitzka 2001 bzw. Beinlich & Lohr 2007 für Libellen, Hill & Beinlich 2001 für Heuschrecken oder Fartmann, Dudler & Schulze 2002, Fartmann 2004a + 2004b für Schmetterlinge).

2.1 Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum)

Im Jahr 2006 wurden im Rahmen der Geländearbeiten der Landschaftsstation weitere Nachweise von wärmeliebenden Tierarten erbracht, die in den entsprechenden Gebieten oder im Kreis Höxter bisher nicht oder seit langem nicht mehr vorgekommen waren: An einem Kleingewässer in einem Steinbruch auf dem Bielenberg konnte über mehrere Tage ein Männchen des Südlichen Blaupfeils (Orthetrum brunneum) beobachtet werden. Ähnlich wie bei Früher Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) oder Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), die vor wenigen Jahren im Taubenborn zugewandert sind (vgl. Beinlich & Lohr 2007), handelt es sich um eine südlich verbreitete Libellenart, die seit einigen Jahren ihr Areal nach Norden ausbreitet.

Schon 2005 hatte M. Lohr an der Schelpe in der Lüre bei Höxter erstmal ein Pärchen des Südlichen Blaupfeils beobachten können (s. Abb. 3).

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Abb. 3: Paarungsrad des Südlichen Blaupfeils (Orthetrum brunneum) (Foto: Mathias Lohr 17.08.2005)

2.2 Sichelschrecke (Phaneroptera falcata)

2001 wurde erstmal die Sichelschrecke (Phaneroptera falcata) im Kreis Höxter nachgewiesen, und zwar im NSG „Kalkmagerrasen bei Ottbergen und Bruchhausen“ (Hill & Beinlich 2001). 2006 wurden einzelne Individuen dieser Art an zwei weiteren Standorten beobachtet – zum einen im NSG „Grundlose-Taubenborn“ bei Höxter, zum anderen im NSG „Hellberg-Scheffelberg“ bei Warburg-Scherfede.

2.3 Senfweißling (Pieris sinapsis) und Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album)

Der ehemals im Kreis Höxter weiter verbreitete Senfweißling (Pieris sinapsis) ist ebenfalls eine südlich verbreitete Art. Seit Ende der 1980er Jahre hat die Schmetterlingsart viele ehemals besiedelte Bereiche geräumt und ist im Kreis nur noch an wenigen Fundstellen anzutreffen. Im Sommer 2006 konnten einige wenige Exemplare des Senfweißlings erstmals im NSG „Bielenberg“ nachgewiesen werden. Dort gelang im selben Jahr auch der Erstnachweis des Ulmen-Zipfelfalters (Satyrium w-album), eine Bläulings­art, die auf das Vorkommen von Ulmen angewiesen ist und die ansonsten nur von wenigen Fundorten im Südkreis bekannt ist (vgl. Biermann 1995).

2.4 Grünwidderchen (Procris statices) und Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus)

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Abb. 4: Magerrasen und –grünland im NSG „Räuschenberg“ (Karte: Walter Köble)

Weitere Erstnachweise von Schmetterlingen gelangen für das NSG „Räuschenberg“. Hier konnten erstmals Vorkommen des Ampfer-Grünwidderchens (Procris statices) und des Braunen Feuerfalters (Lycaena tityrus) belegt werden. Das Ampfer-Grünwidderchen bevorzugt nasse bis wechselfeuchte Wiesen, kommt aber auch in Sandheiden sowie versaumenden, an Störstellen reichen Kalkmagerrasen vor. In solch einem Bereich wurden die wenigen Exemplare auch nachgewiesen.

Im Kreis Höxter ist das Ampfer-Grünwidderchen bisher nur von wenigen Fundorten bekannt geworden, unter anderem im Bereich der Kalkmagerrasen um Dalhausen. Jeweils ein weiterer Nachweis liegt aus dem Bereich der Egge (Biermann 1995) und vom Köterberg vor. Insofern stellt der Nachweis auf den Kalkmagerrasen des Räuschenbergs eine Besonderheit dar.

Lebensraum des Braunen Feuerfalters sind artenreiche Mähwiesen und blumenbunte Säume. Bisher waren für diese Art aus dem Kreis Höxter noch keine Vorkommen bekannt (vgl. Biermann 1995).