Beiträge zur Naturkunde zwischen Egge und Weser 17 (2005) 3-74
hier: 015-041

Jahresbericht 2004

Bearbeiter:
Dr. Burkhard BEINLICH (Dipl.-Biol.)
Frank GRAWE (Dipl.-Geogr.)
Sven MINDERMANN (Dipl.-Agraring.)
Uli WYCISK (Dipl.-lng.)
Walter KÖBLE (Dipl.-Geogr.)

2. Erhebung naturschutzfachlich relevanter Daten

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3. Faunistisches und floristisches Gebietsmonitoring

Um die Entwicklung der betreuten Gebiete unter der praktizierten Nutzung oder Pflege dokumentieren zu können und Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, wurde auf den betreuten Flächen ein sog. Gebietsmonitoring durchgeführt, in dessen Rahmen ausgewählte Tier- und Pflanzenarten mit ihren Bestandszahlen erfasst werden. Die Ergebnisse der Erhebungen können mit Altdaten verglichen werden und dienen gleichzeitig als Grundlage für in den folgenden Jahren durchzuführende Vergleichsuntersuchungen.

Aufgrund der Vielzahl der zu betreuenden Gebiete im Kreis und der begrenzten personellen Kapazitäten (1/4 Stelle Zoologie, 1/2 Stelle Botanik) beschränkt sich das Gebietsmonitoring zum einen auf die Dokumentation der optisch wahrnehmbaren Veränderungen in den Lebensräumen (z.B. Zu-/ Abnahme der Verbuschung, der Verbrachung oder des Blütenangebotes), zum anderen auf die Erfassung ohne größeren Aufwand nachzuweisender Tier- und Pflanzenarten.

Leit-/Charakterart:
Art, die für einen bestimmten Lebensraum charakteristisch ist und deren Vorkommen intakte Verhältnisse dieser Habitate anzeigt.

Berücksichtigt werden dabei wichtige Leit- oder Charakterarten der wertbestimmenden Lebensräume sowie weitere Zielarten, die aus naturschutzfachlichen Gesichtspunkten von Bedeutung sind, z. B. die Amphibien in den Feuchtgebieten, für die in den letzten Jahren zahlreiche neue Laichgewässer angelegt wurden.



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3.1 Gebietsmonitoring Fauna

3.1.1 Feuchtlebensräume

Pölinxer Wiesen

Die Pölinxer Wiesen im NSG "Pölinxer Grund" bei Warburg-Scherfede sind Bestandteil des Vogelschutzgebietes Egge-Süd.

Dem kleinen Wiesental kommt eine besondere Bedeutung innerhalb des Vogelschutzgebietes zu, da die zahlreichen Kleingewässer in den 1980er Jahren speziell als Nahrungsteiche für den Schwarzstorch angelegt wurden. Ein Großteil der Gewässer war in den letzten Jahren stark verlandet, so dass vor zwei Jahren erste Gewässer teilentschlammt wurden.

2004 wurde in diesen Gewässern sowie einem Referenzgewässer die Amphibien- und Kleinfischfauna als wichtiger Nahrungsgrundlage für Schwarzstorch und Eisvogel überprüft. Zum Nachweis der Schwanzlurche wurden Molchreusen eingesetzt.

Die Ergebnisse sind in Tab. 6 dargestellt.

Tab. 6: Ergebnisse der Gewässerbeprobung in den Pölinxer Wiesen mittels Molchreusen.
Die Anzahl der jeweils in einem Gewässer eingebrachten Reusen ist in Klammern (n = ) angegeben. Die Reusen wurden für jeweils 24 Stunden ausgebracht. Angegeben ist die Gesamtzahl der gefangenen Tiere, getrennt nach Geschlecht (Männchen/Weibchen). Für Erdkröte und Grasfrosch sind keine quantitativen Angaben möglich, da die Nachweise überwiegend über die Larven erbracht wurden. Als Referenz diente das Gewässer 9.

Teich 5
(n = 3)
Teich 6
(n = 3)
Teich 9
(n = 2)
Teich 14
(n = 2)
Teich 15
(n = 1)
Bergmolch 15/15 12/11 1/6 3/10 1/2
Teichmolch 26/6 26/13 11/8 1/17 1/1
Fadenmolch 19/4 23/17 6/2 1/3  
Kammmolch 17/3   2/0    
Erdkröte X X X X X
Grasfrosch   X X X X

Die Fangergebnisse zeigen, dass alle untersuchten Gewässer von Amphibien besiedelt werden. Die entschlammten Gewässer unterscheiden sich bezüglich der Arten- und Individuenzahl kaum vom Referenzgewässer, welches sich in einem für Amphibien guten Zustand befindet. Die Entschlammung kann somit als erfolgreich bezeichnet werden.

Auch die Kleinfischbestände im Teich 15 haben unter der Maßnahme nicht gelitten, wie durch den Beifang von fast 150 Moderlieschen in nur einer Molchreuse belegt wird. Die Nahrungsgrundlage für Schwarzstorch, Eisvogel und Co. dürfte somit auch für die Zukunft gesichert sein.

Sowohl Eisvogel als auch Schwarzstorch konnten mehrfach im Wiesengrund festgestellt werden. In den in den Hanglagen angrenzenden Fichtenbeständen wurde darüber hinaus mehrfach der Raufußkauz verhört, der Schwarzspecht ist dort Brutvogel.

Echeler Bruch

Das nur etwa 8 ha große degradierte Niedermoor bei Borgentreich hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bruthabitat und Rastplatz für bedrohte Vogelarten entwickelt. Zwei Faktoren sind hierfür von besonderer Bedeutung: Die Wiederaufnahme der Nutzung - zunächst als extensiv betriebene Schweineweide (vgl. HILL et al. 2005), seit 2004 als Rinderweide (Abb. 7) - und die allmähliche Anhebung des Grundwasserspiegels als Folge der Verlandung des zentralen Entwässerungsgrabens.


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Vor allem die Vogelbestände entwickeln sich als Folge der zeitlich begrenzten, extensiv betriebenen Schweinebeweidung in Verbindung mit der Anhebung des Wasserstandes weiterhin positiv.

Bekassine (Gallinago gallinago) und Wald- bzw. Bruchwasserläufer (Tringa ochropus et glareola) sind v. a. auf dem Frühjahrsstrich als regelmäßige Rastvögel anzutreffen. Die maximale Zahl gleichzeitig rastender Bekassinen betrug im Frühjahr 2004 12 Tiere.

Als wertbestimmende Brutvögel wurden in 2004 - ähnlich wie in den Vorjahren - der Wachtelkönig (Crex crex - 1 Rufer), Rebhuhn (1 BP), Neuntöter (1 BP), Rohrammer und Sumpfrohsänger (jeweils 3-4 BP) festgestellt. Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Feldschwirl (Locustella naevia) waren in 2004 ebenso wie der Wiesenpieper (Anthus pratensis) nicht als Brutvögel vertreten. Während der Zugzeit konnten aber bis zu 4 Braunkehlchen gleichzeitig im Echeler Bruch festgestellt werden. Erstmals seit 1998 konnte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Betreuungsfläche auf einem Acker eine Schafstelzenbrut nachgewiesen werden.

Jahr Laichballen
1998 4
2000 20
2001 32
2002 75
2003 170
2004 126

In 2004 wurde die 1998 begonnene Zählung der Grasfroschlaichballen fortgesetzt. Mit 124 Ballen wurde der Spitzenwert von 170 Laichballen des Vorjahres nicht erreicht (vgl. Tab. 7). Hierfür können normale Populationsschwankungen verantwortlich sein. Möglich ist aber auch, dass der verstärkt im Gebiet zu beobachtende Graureiher regulierend in den Bestand eingreift!

Tab. 7: Entwicklung der Grasfroschpopulation (Rana temporaria) im Echeler Bruch. Ergebnisse der Laichballenzählung.

NSG "Heinenwiese"

Im NSG "Heinenwiese" bei Höxter-Lüchtringen wurden 2004 gezielt wertbestimmende Vogelarten erfasst. Hintergrund der Überprüfung ist die seit einigen Jahren zu verzeichnende Ausbreitungstendenz des Schlagschwirls (Locustella fluviatilis) nach Westen. In 2003 war diese Vogelart mit 2 Revieren im Gebiet vertreten.

Es sollte primär überprüft werden, ob der Schlagschwirl dauerhaft das Gebiet besiedelt hat. Leider konnte in 2004 kein neuer Nachweis erbracht werden.

Als Arten der Vorwarnliste zur Roten Liste NRW wurden Dorngrasmücke (Sylvia communis, 3 Reviere), Gelbspötter (Hippolais icterina - 2 Reviere) und der Kuckuck (Cuculus canorus) festgestellt.

NSG "Reitwiesen"

Wertbestimmende Lebensräume im NSG Reitwiesen sind ein Kalkquellsumpf und kleinere Röhricht- und Großseggenbestände sowie ein kleines Stillgewässer.

Die faunistischen Erhebungen im Jahr 2004 umfassten gemäß Arbeits- und Maßnahmenplan charakteristische Arten aus der Avifauna sowie der Herpetofauna.


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Als relevante Arten wurden nachgewiesen:

Im Bereich des Kalkquellsumpfes gelang der Nachweis der Waldeidechse (Lacerta vivipara). Aus der Amphibienfauna wurden die bereits bekannten 5 Arten festgestellt. Neben Erdkröte (Bufo bufo) und Grasfrosch (Rana temporaria) handelt es sich um Bergmolch, Teichmolch und Fadenmolch. Die Erfassung der Molche erfolgte mittels Molchreusen. Die Ergebnisse dieser Beprobung sind in Tab. 9 dargestellt.

Anzahl (m/w)
Bergmolch (Triturus alpestris 26/33
Teichmolch (Triturus vulgaris) 18/8
Fadenmolch (Triturus helveticus) 9/6
Tab. 8: Ergebnisse der Reusenfänge im NSG "Reitwiesen"
Es wurden 3 Reusen für ca. 24 h in das vorhandene Kleingewässer eingesetzt. Die Gesamtzahl der gefangenen Schwanzlurche, getrennt nach Geschlecht (m/w), ist angegeben.

NSG "Körbecker Bruch"

Der Körbecker Bruch stellt das wichtigste Wiesenbrütergebiet im Kreis Höxter dar (vgl. LOHR 2005). Seit 2002 führt die Landschaftsstation jährlich eine Erfassung der wertbestimmenden Vogelbestände durch - so auch im Jahr 2004. Die Ergebnisse sind in Tab. 10 dargestellt.

Tab. 9: Ergebnisse des Brutvogelmonitorings im NSG "Körbecker Bruch".
Die aktuellen Daten des Jahres 2004 sind denen von 2003 und 2002 (BEINLICH et al. 2004, BEINLICH et al. 2003) gegenüber gestellt.
Abk.:

Rev. = Papierreviere; Dz = Durchzügler; BP = Brutpaar

Status Rote Liste:

1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet,
V = Art der Vorwarnliste

Rote Liste
NRW   BRD
2004 2003 2002
RebhuhnPerdix perdix2N21 Rev.1 Rev. 
WachtelCoturnix coturnix2V 3 Rufer 
WiesenweiheCircus pygargus1N11 BP1 BP1 BP
RohrweiheCircus aeruginosus2N11 BP1 BP1 BP
WachtelkönigCrex crex111 Rufer2 Rufer2-3 Rufer
KiebitzVanellus vanellus332 BP4 Rev.6 Rev
FeldlercheAlauda arvensisVV20 Rev.9 Rev.17 Rev
WiesenpieperAnthus pratensis3 11 Rev.5 Rev.12 Rev
SchafstelzeMotacilla flava3V**1 Rev.Dz
FeldschwirlLocustella naevia3  3 Rev.2 Rev
SumpfrohrsängerAcrocephalus palustris  11 Rev.21 Rev.11 Rev
GeldspötterHippolais icterinaV 4 Rev.4 Rev.5 Rev
BraunkehlchenSaxicola rubetra2N31 Rev.2 Rev.4 Rev
RohrammerEmberiza schoeniclusV 10 Rev22 Rev.11 Rev

**Schafstelze, 2004 mehrere Bruten auf Äckern in der Umgebung

Auffallend sind die starken Bestandsschwankungen bei einigen Arten wie Feldlerche, Wiesenpieper, Sumpfrohrsänger oder Rohrammer. Solche sind nicht ungewöhnlich und sind Ausdruck der normalen Populationsdynamik. Bedenklich ist dagegen der anscheinend kontinuierliche Rückgang beim Braunkehlchen und Kiebitz, eine Entwicklung, die auch überregional zu verzeichnen ist.

Rohr- und Wiesenweihe waren auch 2004 wieder mit je einem Brutpaar vertreten. Im Gegensatz zu den Vorjahren waren die Bruten aber erfolglos. Im Falle der Rohrweihe ist dies wohl auf unbewusste Störungen durch den Jagdpächter zurückzuführen.


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Während des Frühjahrszuges konnten im Körbecker Bruch wie gewohnt große Trupps von Kiebitzen beobachtet werden. Die maximal festgestellte Zahl an rastenden Bekassinen belauft sich auf 12 Tiere. Am 15.3. wurde ein rastender Weißstorch beobachtet, weiterhin verweilten im März über einen längeren Zeitraum 2 Kraniche im Bruch.

Bislang wurde die Herpetofauna des Körbecker Bruches noch nicht systematisch untersucht. Im Frühjahr 2004 wurden deshalb die beiden Stillgewässer mit Molchreusen beprobt. In diesem Rahmen wurden die beiden Gewässer auch nach Grasfröschen und Erdkröten abgesucht. Darüber hinaus wurden die Laichballen der Grasfrösche im gesamten Gebiet ausgezählt. Nach Reptilien wurde systematisch im Frühsommer und Herbst gefahndet.

Tab. 10: Ergebnisse der Gewässerbeprobung im NSG "Körbecker Bruch" mittels Molchreusen.
Die Anzahl der jeweils in einem Gewässer eingebrachten Reusen ist in Klammern (N = ) angegeben. Die Reusen wurden für jeweils 24 Stunden ausgebracht. Angegeben ist die Gesamtzahl der gefangenen Tiere, getrennt nach Geschlecht (Männchen/Weibchen).
Teich im Röhricht (Binnerhagen)
(n = 5)
Teich in der Engerwiese
(n = 5)
Kammmolch 19 m / 4 w 4 m
Teichmolch 41 m / 4 w 10 m
Fadenmolch 1 m / 9 w 2 w
Bergmolch 6 m / 4 w 4 w
Erdkröte X X

Erstmals nachgewiesen wurde der Kammmolch, der in erfreulich großer Individuenzahl im kleinen Teich im Binnerhagen vertreten ist. Unbekannt war bisher auch der Fadenmolch. Die Erfassung der Grasfrosch-Laichballen erbrachte ca. 270 Laichballen. Als Laichplätze dienten durchweg die kleinen Entwässerungsgräben - die Stillgewässer werden als Laichplatz weitgehend gemieden. Für ein Feuchtgebiet von ca. 90 ha Größe ist die geschätzte Grasfroschpopulation von ca. 1000 Tieren vergleichsweise klein!

Aus der Gruppe der Reptilien konnte nur die Waldeidechse (Lacerta vivipara) nachgewiesen werden.

Rietbruch

Wie beim Körbecker und Echeler Bruch handelt es sich auch beim Rietbruch um ein Relikt eines ehemaligen Niedermoores. Aufgrund des hohen Gehölzanteils ist es im Gegensatz zum Körbecker Bruch aber ohne große Bedeutung für Wiesenbrüter.

2003 wurde dort erstmals die Größe der Grasfroschpopulation durch Zählung der Laichballen ermittelt. Diese Zählung wurde 2004 wiederholt. Wurden 2003 ca. 130 Laichballen gezählt, waren es 2004 ca. 154 Laichballen. Die geschätzte Populationsgröße des Grasfrosches dürfte somit bei etwa 500 bis 600 Tieren liegen.

3.1.2 Ergebnisse des faunistischen Gebietsmonitorings
im Bereich der trocken-mageren Lebensräume

Die herausragenden und landesweit bedeutsamen Offenlandlebensräume im Kreis Höxter sind die Kalkmagerrasen, Wacholderheiden und das blütenreiche trocken-magere Grünland. Diese Lebensräume befinden sich zum überwiegenden Teil innerhalb von FFH-Gebieten und/oder Naturschutzgebieten.


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In 14 Gebieten wurden 2004 die Vorkommen ausgewählter Leitarten der Kalkmagerrasen im Rahmen des Gebietsmonitorings überprüft. Die Auswahl der zu überprüfenden Arten erfolgte in Anlehnung an

unter Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten.

Bei der Interpretation der Ergebnisse, sie sind in den Tab. 11 bis 14 zusammengestellt, ist hinsichtlich der Schmetterlingserhebungen zu berücksichtigen, dass der Witterungsverlauf im Sommer 2004 für diese Tiergruppe relativ ungünstig verlaufen ist - v. a. der Juni und Juli wiesen überdurchschnittlich hohe Niederschläge auf. Die Schönwetterperioden beschränkten sich zudem auf jeweils wenige Tage, so dass eine Begehung aller Gebiete bei günstiger Witterung und optimaler Tageszeit nicht möglich war. Darüber hinaus hat sich auch der extrem heiße und trockene Sommer 2003 ungünstig auf die Falterpopulationen ausgewirkt. In vielen Gebieten sind die Raupenfutterpflanzen frühzeitig verdorrt. Aus dem gleichen Grund stand den Imagines auch nur ein eingeschränktes Nektarangebot zur Verfügung. Dies dürfte sich negativ auf den Reproduktionserfolg und damit auch auf die Populationsgrößen in 2004 ausgewirkt haben.

Kalkmagerrasen bei Brenkhausen und Ovenhausen (Stadt Höxter)

Da im Kreis ein deutlicher Gradient bezüglich der Artenausstattung zwischen den südlich und nördlich gelegenen Magerrasen besteht (vgl. GERKEN et al. 1993), wurden in den Tabellen die Ergebnisse aus jeweils vergleichbaren Gebieten zusammengefasst. In Tab. 12 sind die erhobenen Daten von den Kalkmagerrasen in Höxter-Brenkhausen und Höxter-Ovenhausen zusammengefasst.

Bezüglich der Schmetterlinge fällt auf, das v.a. am Bramberg in 2004 einige Leitarten nicht nachgewiesen werden konnten. Da sich das Gebiet aber in einem guten Erhaltungszustand befindet, ist dies wohl eher auf Erfassungslücken bzw. die ungünstigen Witterungsbedingungen zurückzuführen.

Dass von der Gemeinen Heideschnecke (Helicella itala), die im Kreis in hoher Stetigkeit auf den intakten Magerrasen anzutreffen ist, sowohl am Räuschenberg als auch am Rumberg nur leere Gehäuse angetroffen wurden, ist auf die starke Verbuschung und Verbrachung in der Vergangenheit zurückzuführen. Im Gegensatz zu den mobileren Arten ist es der Heideschnecke anscheinend noch nicht gelungen, die wieder freigestellten Flächen wieder zu besiedeln. Bei intensiverer Nachsuche werden sicherlich noch überlebende Individuen angetroffen werden.

Für das Fehlen des Neuntöters in zwei Gebieten (Bramberg, Rumberg) gibt es keine Erklärung - in der Umgebung ist er vertreten.

Erwähnenswert ist noch der Nachweis von zwei Falterarten, die nicht oder nur unregelmäßig auf den Flächen anzutreffen sind: Es handelt sich um den Schönbär (Callimorpha dominula, RL RW 3) am Rumberg und das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) am Bramberg. Während es sich beim Letzteren um einen Wanderfalter handelt, der unregelmäßig ins Weserbergland einfliegt, ist der Schönbär ein Falter des feuchten Grünlandes, der sich am Rumberg kaum fortpflanzen dürfte.


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Tab. 11: Ergebnisse des faunistischen Gebietsmonitorings in den im Nordostkreis gelegenen NSG "Räuschenberg", "Bramberg" und "Rumberg" (alle Stadtgebiet Höxter).
Berücksichtigt wurden Charakterarten der Magerrasen aus folgenden Gruppen: tagfliegende Schmetterlinge, Reptilien (Zauneidechse), Vögel (Neuntöter, Bluthänfling), Sandlaufkäfer (Cicindela campestris), Landgehäuseschnecken (Helicella itala).
Symbole: X = Art vorhanden,
- = Art in den vergangenen Jahren belegt, 2004 aber nicht nachgewiesen,
+ = nur leere Schalen aufgefunden
NSG "Räuschenberg" NSG "Bramberg" NSG "Rumberg"
Callophrys rubi X X  
Coenonympha arcania X X  
Cupido minimus   - X
Erynnis tages X X -
Mesoacidalia aglaja   - X
Papilio machaon X   X
Pyrgus malvae X X X
Thymelicus acteon - - X
Zygaena carniolica X - X
Zygaena filipendula X X X
Zygaena purpuralis X X X
Zygaena meliloti X - X
Cicindela campestris   X  
Helicella itala + X +
Zauneidechse X   X
Neuntöter X    
Bluthänfling X X  

Kalkmagerrasen im Nethetal im Bereich Ottbergen (Stadt Höxter) und im Stadtgebiet Brakel

Im Nethetal wurden insgesamt 5 Magerrasenkomplexe hinsichtlich ausgewählter Leitarten untersucht. Obwohl die Flächen z. T. nur wenige Kilometer Luftlinie von den vorgenannten entfernt liegen, weisen die Kalkmagerrasen dort eine artenreichere Falterfauna auf. Die meisten Leitarten sind in den Naturschutzgebieten "Stockberg", "Mühlenberg" und "Kahlenberg" vorzufinden. Auch dort konnten in allen Gebieten einzelne Arten in 2004 nicht nachgewiesen werden.

Bezüglich der Falter sind hierfür, mit einer Ausnahme, die gleichen Gründe geltend zu machen wie bei den Magerrasen bei Ovenhausen und Brenkhausen. Die Ausnahme stellt das Vorkommen des Kreuzenzianbläulings (Maculinea rebeli) am Stockberg dar. Dort wurde in 2002 entgegen vor Ort getroffener Absprachen mit dem Nutzer unmittelbar vor der Flugzeit des Falters direkt im Bereich der Raupennährpflanze, dem Kreuz-Enzian, gekoppelt. Die Enzianbestände wurden dabei völlig zertreten, sodass in dem Jahr keine geeigneten Eiablageplätze vorhanden waren. Seitdem ist der Falter verschollen. Es besteht aber berechtigte Hoffnung, dass eine Wiederbesiedlung vom nah gelegenen Mühlenberg aus erfolgt.

Das Fehlen des Neuntöters ausgerechnet in den drei Naturschutzgebieten kann nicht erklärt werden, auch dort ist er im Umfeld durchaus als Brutvogel anzutreffen.


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Tab. 12: Ergebnisse des Gebietsmonitorings der im Nethetal bei Ottbergen gelegenen NSG "Stockberg", "Mühlenberg", "Kahlenberg" (Stadtgebiet Höxter) sowie der durch mageres Grünland und Kalkmagerrasen charakterisierten Flächen am Hamberg bei Riesel und Hartheiser Berg (Stadtgebiet Brakel).
Berücksichtigt wurden Charakterarten der Magerrasen aus folgenden Gruppen: tagfliegende Schmetterlinge, Reptilien (Zauneidechse, Schlingnatter), Vögel (Neuntöter, Bluthänfling), Sandlaufkäfer (">Cicindela campestris), Landgehäuseschnecken (Helicella itala).
Symbole: X = Art vorhanden,
- = Art in den vergangenen Jahren belegt, 2004 aber nicht nachgewiesen,
+ = nur leere Schalen aufgefunden
Stockberg Mühlenberg Kahlenberg Hamberg Hartheiser Berg
Coenonympha arcaniaXXXXX
Colias alfacariensis  X  
Cupido minimusXXX--
Erynnis tagesXXXX 
Hesperia comma---  
Maculinea rebeli-X   
Mesoacidalia aglaja-XXX 
Pyrgus malvaeXX X 
Papilio machaon  X  
Spialia sertoriusX XX 
Thymelicus acteon--X -
Zygaena carniolicaXX-X-
Zygaena filipendulaXXXXX
Zygaena purpuralisXXXXX
Zygaena melilotiXXXXX
Cicindela campestrisX X  
Helicella italaXXXXX
ZauneidechseXX XX
Schlingnatter -   
Neuntöter   XX
Bluthänfling XXXX

Erwähnenswert für den Kahlenberg ist noch der Nachweis des Blutbärs (Tyria jacobaeae, RL NRW 3) und für den Stockberg der Rosenkäfer (Cetonia aurita), der im Weserbergland nicht häufig ist.

Kalkmagerrasen im NSG "Wandelnsberg" und um Dalhausen und Jakobsberg (Stadtgebiet Beverungen)

Die Untersuchungen auf den Kalkmagerrasen im NSG "Wandelnsberg" und um Dalhausen und Jakobsberg ergeben ein ähnliches Bild. Auf den artenreicheren Flächen um Dalhausen / Jakobsberg fehlen wiederum einige Leitarten, deren Vorkommen für die letzten Jahre noch belegt sind. Die Gründe hierfür wurden oben bereits diskutiert. Lediglich bezüglich des Ameisenbläulings Maculinea arion muss davon ausgegangen werden, dass die Vorkommen sowohl am Schnegelberg als auch am Krähenberg erloschen sind.

Trotz intensiver Nachsuche in den letzten drei Jahren konnte diese Art dort nicht mehr bestätigt werden. Auf der Heidkämpe konnten in 2003 dagegen noch 7 Falter dieser Art dokumentiert werden. Die Heidkämpe zeichnet sich auch noch durch die Vorkommen weiterer gefährdeter Arten aus, die auf den anderen Flächen nicht anzutreffen waren: Es handelt sich um Schlingnatter (Coronella austriaca) und Brombeerzipfelfalter (Callophrys rubi). Weiterhin wurde dort auch noch der Blutbär (Tyria jacobaeae) nachgewiesen.

Am Wandelnsberg, wo nur einige wenige, anspruchslosere Leitarten vorhanden sind, wurden aus der Gruppe der Schmetterlinge dagegen alle Arten bestätigt.


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Tab. 13: Ergebnisse des Gebietsmonitorings im NSG "Wandeinsberg" und im FFH-Gebiet "Kalkmagerrasen um Dalhausen und Jakobsberg" (beide Stadtgebiet Beverungen).
Berücksichtigt wurden Charakterarten der Magerrasen aus folgenden Gruppen: tagfliegende Schmetterlinge, Reptilien (Zauneidechse, Schlingnatter), Vögel (Neuntöter, Bluthänfling), Sandlaufkäfer (Cicindela campestris), Landgehäuseschnecken (Helicella itala).
Symbole: X = Art vorhanden,
- = Art in den vergangenen Jahren belegt, 2004 aber nicht nachgewiesen,
+ = nur leere Schalen aufgefunden

Kalkmagerrasen bei Dalhausen
Heidkämpe Schnegelberg Krähenberg NSG "Wandelnsberg"
Adscita statices X X
Callophrys rubi X  
Coenonympha arcania X X X X
Cupido minimus X X -
Erynnis tages X - X
Maculinea arion - - -
Mellicta aurelia X X -
Mesoacidalia aglaja X
Pyrgus malvae - X X
Spialia sertorius -X
Thymelicus acteon X -
Zygaena carniolica X X X
Zygaena filipendula X X X X
Zygaena purpuralis X X X X
Zygaena meliloti X X X
Cicindela campestris X X
Helicella itala X   X X
Zauneidechse X X X
Schlingnatter X
Neuntöter X X X
Bluthänfling X X X X

 

Kalkmagerrasen im Einzugsgebiet des Diemeltals (Stadt Warburg)

Die hinsichtlich der Schmetterlingsfauna artenreichsten Kalkmagerrasen finden sich im südlichen Kreis Höxter im Bereich der Diemel und an der Ostabdachung der Egge. Von den dort untersuchten Flächen weist der Hellberg-Scheffelberg als größtes Gebiet die meisten Leitarten auf. Zudem konnten sie dort in 2004 am vollständigsten nachgewiesen werden. Für das Fehlen einiger Arten sind auch im Südkreis die oben angeführten Faktoren geltend zu machen.


Das Fehlen des Neuntöters in drei von 5 Gebieten trotz Anwesenheit in der Region ist wie auch in den oben angeführten Fällen nicht erklärbar.


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Tab. 14: Ergebnisse des Gebietsmonitorings der im Einzugsgebiet der Diemel gelegenen NSG "Goldberg", "Hellberg-Scheffelberg", "Heinberg", "Weldaer Berg" und "Kalkberg" (alle Stadtgebiet Warburg).
Berücksichtigt wurden Charakterarten der Magerrasen aus folgenden Gruppen: tagfliegende Schmetterlinge, Reptilien (Zauneidechse), Vögel (Neuntöter, Bluthänfling), Sandlaufkäfer (Cicindela campestris), Landgehäuseschnecken (Helicella itala).
Symbole: X = Art vorhanden,
- = Art in den vergangenen Jahren belegt, 2004 aber nicht nachgewiesen,
+ = nur leere Schalen aufgefunden
NSG "Goldberg" NSG "Hellberg - Scheffelberg" NSG "Heinberg" NSG "Weldaer Berg" NSG "Kalkberg"
Callophrys rubi X X X - X
Coenonympha arcania X X X X X
Colias alfacariensis - - - - -
Cupido minimus X X X    
Erynnis tages X X X X -
Fixenia pruni     X -  
Hamaeris lucina - X -    
Hesperia comma - X X - -
Lysandra coridon - X - X X
Maculinea arion         X
Mellicta aurelia X X      
Mesoacidalia aglaja   X     X
Papilio machaon   X   X  
Plebejus argus   - - -  
Pyrgus malvae X X X X X
Spialia sertorius   X X -  
Thymelicus acteon - X X - -
Zygaena carniolica X X - X X
Zygaena filipendula X X - X X
Zygaena purpuralis X X X X X
Zygaena meliloti X X X X X
Cicindela campestris   X X   X
Helicella itala + X X X X
Zauneidechse X X X X X
Neuntöter X       X
Bluthänfling       X  

3.1.3 Abschließende Würdigung der Ergebnisse des faunistischen Monitorings

Die untersuchten Kalkmagerrasen befinden sich zurzeit in einem zufrieden stellenden Zustand. Das Fehlen einiger Leitarten aus der Schmetterlingsfauna dürfte vorrangig auf klimatische Ursachen und Lücken bei der Erfassung zurückzuführen sein (s.o.). Allerdings geben die Bestandsentwicklungen beim Schwarzgefleckten Ameisenbläuling (Maculinea arion) auf den Flächen um Dalhausen (aber auch an den restlichen Fundorten im Kreis) Anlass zur Besorgnis. Der Falter wurde nicht nur am Krähenberg und Schnegelberg sondern auch am Fließbach bei Calenberg und im NSG "Schwiemelkopf" seit mehreren Jahren nicht mehr beobachtet. Es steht zu befürchten, dass die Bestände dort erloschen sind. Damit würden aktuell nur noch zwei Fundorte in OWL existieren. Hier sind dringend Hilfsmaßnahmen notwendig, um das Erlöschen in unserer Region zu verhindern. Der Falter kommt in NRW neben den Fundorten im Kreis Höxter nur noch in der Eifel vor.

Interessant ist, dass im Rahmen der Erhebungen der Sonnenröschen-Bläuling (Arcia agestis), für den in den letzten Jahren eine Arealerweiterung nach Norden hin belegt ist (FARTHMANN et al. 2002) - und in diesem Rahmen auch bis zu den


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Magerrasen im Nethetal vorgedrungen ist - 2004 nur noch auf einigen Flächen im Südkreis nachgewiesen wurde (z.B. auf den Kalktriften bei Willebadessen). Es ist ihm somit noch nicht gelungen, sich an der nördlichen Verbreitungsgrenze dauerhaft zu etablieren. Das gleiche gilt auch für den Himmelblauen Bläuling (Lysandra coridon), der im Südkreis zur typischen Falterfauna der Magerrasen gehört. Von 1999 bis 2003 ist er immer wieder bis zu den Magerrasen im Nordkreis vorgedrungen, hat diese offensichtlich aber in 2004 wieder aufgegeben.

Die fehlenden Nachweise der Zauneidechse, einer Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie, in einigen Gebieten sind vermutlich auf die extensive Beprobung zurückzuführen. Die Nachweislücken werden sich im Laufe der nächsten Betreuungsjahre mit Sicherheit schließen.

Anders sieht es bei den fehlenden Nachweisen des Sandlaufkäfers (Cicindela campestris) in einigen Gebieten aus. Dieser Käfer indiziert eine relativ intensive Nutzung der Magerrasen, da seine Larven auf offene Bodenstellen (Trittschäden!) und schüttere Vegetation angewiesen sind. Diese Habitatansprüche sind nur auf gut beweideten Kalkmagerrasen oder Kalkmagerrasen in Steinhanglage erfüllt - oder aber entlang von öfters genutzten Wegen (wie zum Beispiel am Schnegelberg in Dalhausen - vgl. Abb.9).

Abb. 9: Durch Ziegen beweideter Kalkmagerrasen am Schnegelberg (Beverungen-Dalhausen)
(Foto: Frank GRAWE)

Das Fehlen der Heideschnecke (Helicella itala) indiziert negative Entwicklungen im Bereich der Magerrasen in der Vergangenheit. Allen vier Untersuchungsflächen, auf denen die Schnecken nicht oder nicht lebend nachgewiesen werden konnten, ist gemeinsam, dass sie in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum ungenutzt waren. Sie waren bereits stark verbracht und verbuscht, bevor sie wieder instandgesetzt und erneut beweidet wurden. Da die Schnecke in verfilzten Grasbeständen und im Schatten der Gehölze nicht überleben kann, ist sie dort verschwunden. Ob eine Wiederbesiedlung von benachbarten Flächen aus oder von nicht entdeckten Restbeständen erfolgt, bleibt abzuwarten. Da die Tiere nur über einen kleinen Aktionsradius (< 10-12 m) verfügen, wird dies auf jeden Fall längere Zeiträume in Anspruch nehmen.

Abb. 10: Neuntöter (Foto: Frank GRAWE)

Dass Neuntöter und Bluthänfling als mobile Tierarten auf einer ganzen Reihe von Untersuchungsflächen trotz idealer Rahmenbedingungen in 2004 nicht nachgewiesen werden konnten, liegt nicht an der Habitatausstattung. Aus den vergangenen Jahren liegen immer wieder Nachweise für diese Arten vor - es dürfte sich somit um normale Fluktuationen handeln. Im Umfeld der Gebiete sind beide Arten gut vertreten!



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3.2 Gebietsmonitoring Flora

3.2.1 Methodik

Angesichts des eng gesteckten Stundenrahmens wurden in den Gebieten, wie eingangs bereits skizziert, keine flächendeckenden Vegetationskartierungen durchgeführt oder gar Belegaufnahmen angefertigt, sondern lediglich die Individuenzahlen von ausgewählten Charakterarten erfasst, welchen ein diagnostischer Wert hinsichtlich des ökologischen Zustandes der wertbestimmenden Flächen in den Betreuungsgebieten zukommt.

3.2.1.1 Monitoring-Arten

Die im Rahmen des Gebietsmonitorings in ihren Beständen erfassten Arten wurden anhand folgender Kriterien ausgewählt:

Sie werden in einer der Roten Listen gefährdeter Pflanzen ((LANDESANSTALT FÜR ÖKOLOGIE, BODENORDNUNG UND FORSTEN (1999), BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ (1996)) geführt oder sind gemäß BUNDESARTENSCHUTZVERORDNUNG (1989) geschützt (hierdurch ergibt sich über das Monitoring der Entwicklung des jeweiligen Lebensraumes hinaus ein Überblick über die Individuenzahlen wichtiger seltener oder im Rückgang befindlicher Arten im Kreisgebiet).

Die ausgewählten Arten weisen hinsichtlich der Geofaktoren Licht, Bodenfeuchte und Stickstoffdargebot für den jeweiligen Lebensraum typische Werte (ELLENBERG 1992) auf:

So haben die Monitoring-Arten der Kalk-Halbtrockenrasen und des Magergrünlandes ihr Optimum in Konkurrenz mit anderen Pflanzen

- bei guter Belichtung (mit Ausnahme der eigentlich dem Kalk-Buchenwald zuzuzählenden Arten) und
- bei schlechter Stickstoffversorgung.

Die für die Feuchtlebensräume (Kalk-Flachmoor, Feuchtgrünland, Seggenried) ausgewählten Arten finden in Konkurrenz mit anderen Arten optimale Bedingungen bei

- guter Belichtung,
- nassen oder feuchten Bodenverhältnissen und
- schlechter Stickstoffversorgung.

Hinsichtlich der Nutzungswertzahlen (BRIEMLE & ELLENBERG 1994) und BRIEMLE, NITSCHE & NITSCHE 2003)) weisen alle Arten eine geringe Mahd- und Trittverträglichkeit und eine geringe, in den Feuchtlebensräumen (insbesondere im Nassgrünland) auch mäßig gute Weideverträglichkeit auf.

Dauerhafte, sich nicht nur aufgrund witterungsbedingter jährlicher Schwankungen ergebende Bestandseinbrüche der Arten lassen aufgrund der Zeigerwerte den Schluss zu, dass sich die Qualität des Lebensraumes insgesamt verschlechtert hat. Aufgrund der Nutzungswertzahlen ist andererseits eine mögliche Übernutzung frühzeitig erkennbar und darüber hinaus in beschränktem Maße (d.h. unter Berücksichtigung der eben beschriebenen die Entwicklung überlagernden Schwankungen von Jahr zu Jahr) auch quantifizierbar.


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Bei den Monitoring-Arten für die zumeist ausgedehnten, teilweise auch wenig übersichtlichen Kalk-Halbtrockenrasen und Magergrünlandbestände wurde schließlich darauf geachtet, dass die Arten leicht zu erkennen sind und sich nur schwer mit ähnlichen Arten verwechseln lassen. Hierdurch wird es möglich, die zeitaufwendigen Erhebungen auch mit Unterstützung durch "angelernte" Kräfte ohne tiefgehende botanische Kenntnisse, wie z. B. studentische Praktikanten durchführen zu können.

Bei den Feuchtlebensräumen, mit in der Regel geringer Flächenausdehnung, welche eine flächendeckende Erfassung von Arten auch in einem begrenzten Zeitrahmen ermöglicht, war eine Einbindung von Praktikanten etc. nicht notwendig, zumal eine sichere Ansprache einiger diagnostisch wichtiger, zum Zeitpunkt der Aufnahme aber evtl. nicht blühender, Arten wie bestimmte Carex-Arten etc. von angelerntem Personal auch kaum leistbar wäre.

Grundsätzlich dürfen bei der Diskussion der Monitoringergebnisse über die sich von Jahr zu Jahr ergebenden witterungsbedingten Schwankungen hinaus zwei methodische Fehlerquellen nicht verschwiegen werden, die sich aus der großen Zahl der zu betreuenden Gebiete ergibt:

Zum einen erfolgten die Bestandserhebungen nicht immer zum optimalen Blütezeitpunkt der jeweiligen Art, da die Begehungen z.B. mit der Betreuung des Pflegetrupps oder mit anstehenden Ortsterminen etc. verknüpft wurden (teilweise wurden Gebiete auch an mehreren Terminen in Teilflächen bearbeitet). Bei den Begehungen wurden mehrere, zu etwas unterschiedlichen Zeitpunkten blühende Arten (z.B. Orchis tridentata und die später blühende Orchis militaris) gleichzeitig gezählt.

Aufgrund der großen Zahl der Gebiete nimmt ein Kartierdurchgang darüber hinaus bis zu zwei Wochen in Anspruch. Hierdurch sind die Kartierergebnisse zwangsläufig suboptimal bzw. fallen entsprechend niedrig aus.

Insgesamt scheint das Zielartenmonitoring aber einen guten Kompromiss zwischen vertretbarem Zeitaufwand einerseits und aussagekräftigen Ergebnissen andererseits darzustellen.

 

Im Folgenden sollen die ausgewählten Monitoring-Arten für die Feuchtlebensräume und die trocken-mageren Lebensräume mit ihrer Gefährdungsstufe, ihren Zeigerwerten und ihren Nutzungswertzahlen kurz vorgestellt werden.

 

Monitoring-Arten der Feuchtlebensräume

Für das Monitoring der Feuchtlebensräume wurden die in Tab. 15 aufgeführten Arten ausgewählt. Es handelt sich um Arten, die im Rahmen eigener Begehungen in den letzten Jahren im Gebiet aufgefunden wurden oder aber in der Literatur für die Gebiete aufgeführt werden.


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Tab. 15: Die Monitoring-Arten für Feuchtlebensräume mit ihren Gefährdungsstufen, ökologischen Zeigerwerten und Nutzungswertzahlen.
Zeichenerklärung:
Gefährdung: Gefährdungsstufen 1-3: (1: vom Aussterben bedroht, 2: stark gefährdet, 3: gefährdet)
V - Art der Vorwarnliste
* - keine Gefährdung
Zeigerwerte 1-10: (1: geringster Wert, 10: höchster Wert)
Nutzungswertzahlen 1-10: (1: geringster Wert, 10: höchster Wert)
Zeichen: = - Stauwasserzeiger,
~ - Wechselwasserzeiger,
x - indifferentes Verhalten,
? - Nutzungswertzahl liegt für die Art nicht vor

Gefährdungsstufen aus LÖBF (1999), BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ (1996) und BUNDESARTENSCHUTZVER-ORDNUNG (1989), Zeigerwerte: ELLENBERG (1992), Nutzungswertzahlen: BRIEMLE & ELLENBERG (1994) und BRIEMLE, NITSCHE & NITSCHE (2003)

Monitoring-Arten der trocken-mageren Lebensräume

Für das Monitoring der trocken-mageren Lebensräume wurden die in folgender Tabelle aufgeführten Arten ausgewählt. Es handelt sich um Arten, welche im Rahmen eigener Begehungen in den letzten Jahren im Gebiet aufgefunden wurden oder aber in der Literatur für die Gebiete aufgeführt werden.


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Tab. 17: Die Monitoring-Arten für Kalk-Halbtrockenrasen und Magergrünland mit ihren Gefährdungsstufen, ökologischen Zeigerwerten und Nutzungswertzahlen
Zeichenerklärung:
Gefährdung: Gefährdungsstufen 1-3: (1: vom Aussterben bedroht, 2: stark gefährdet, 3: gefährdet)
V - Art der Vorwarnliste
* - keine Gefährdung
Zeigerwerte 1-10: (1: geringster Wert, 10: höchster Wert)
Nutzungswertzahlen 1-10: (1: geringster Wert, 10: höchster Wert)
Zeichen: = - Stauwasserzeiger,
~ - Wechselwasserzeiger,
x - indifferentes Verhalten,
? - Nutzungswertzahl liegt für die Art nicht vor
grau unterlegte Zellen - Art der Kalk-Buchenwälder
  (erkennbar an entsprechend niedriger Lichtzahl!)

Gefährdungsstufen aus LÖBF (1999), BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ (1996) und BUNDESARTENSCHUTZVER-ORDNUNG (1989), Zeigerwerte: ELLENBERG (1992), Nutzungswertzahlen: BRIEMLE & ELLENBERG (1994) und BRIEMLE, NITSCHE & NITSCHE (2003)


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3.2.2 Ergebnisse

3.2.2.1 Feuchtlebensräume

In den einzelnen Gebieten wurden für die einzelnen Arten folgende Bestandszahlen ermittelt (die Zahlen aus dem letzten Erhebungsjahr vor 2004, bei den meisten Gebieten 2003, sind den Individuenzahlen aus dem Jahr 2004 grau unterlegt vorangestellt).

Tab. 17 a: Monitoring Flora 2004 - Feuchtlebensräume (Teil 1)

Die üppige Vegetation des beweideten Teils des NSG "Auf dem Berenbruch" wurde von der weidenden Schafherde gut verbissen. Dactylorhiza majalis kommt wie in den vergangenen Jahren in sehr guten Beständen vor. Die Art scheint hier nicht wie in anderen Gebieten durch Spätfrost geschädigt worden zu sein. Die Draht-Segge, die 1997 von EICKHOFF letztmals aufgefunden wurde, konnte im Berichtsjahr wie schon in den beiden Vorjahren nicht aufgefunden werden. Auch EICKHOFF (2004 mündl.), der den Standort der Pflanze genau kennt, hat Carex diandra nicht auffinden können.

Die Beweidung mit Highland-Rindern wirkte sich in den Echelwiesen (Teilfläche Christinenhof) analog zur in den Vorjahren durchgeführten Schweinebeweidung günstig auf die Vegetation aus. Insbesondere im nordwestlichen Teil wurden die wüchsigen Grünlandbestände gut verbissen und es stellte sich ein kleinräumig wechselndes, strukturreiches Mosaik aus kurzrasigen und höherwüchsigen Bereichen ein. Der Bestand der Sumpfdotterblume (Caltha palustris) hat sich nach einer stetigen Vergrößerung durch die Schaffung offener Bodenstellen infolge der Schweinebeweidung bis zum Jahr 2003 im Berichtsjahr stark verkleinert. Offensichtlich hatte die starke Wühltätigkeit der Schweine negative Auswirkungen auf die Bestände. Eine Erholung des Bestandes nach Aufgabe der Schweinebeweidung scheint aber wahrscheinlich und soll im Jahr 2005 nachgeprüft werden.

Im Bereich des NSG "Emmeroberlauf und Beberbach" konnte sich der Bestand der erstmals 2003 am Ufer einer 1999 in der Beberaue angelegten Blanke aufgefundenen Carex vesicaria deutlich vergrößern. Die Beweidung bzw. Mahd des Auengrünlandes verlief 2004 zufriedenstellend. Die Hangbereiche gegenüber der Röthebachmündung sind allerdings als Folge einer unzureichenden Beweidung stark verbracht bzw. mit Gehölzjungwuchs bestanden.

Im südwestlichen Teil der im Westen des NSG "Heinenwiese" gelegenen Grünlandfläche gedeiht ein schöner Feuchtwiesenbestand mit Sanguisorba officinalis, Saxifraga granulata und anderen wertbestimmenden Arten. Der nordwestliche Teil dieser Fläche wurde relativ früh, d.h. noch vor der Blüte des Großen Wiesenknopfes gemäht, anschließend mit Mineraldünger gedüngt und nachbeweidet. Die hier wachsende Campanula patula wurde ebenfalls noch vor der Blüte abgemäht.

Die Grabenvegetation aus Bidens tripartita etc. ist nach einer nahezu vollständigen Austrocknung, evtl. aufgrund wasserbaulicher Maßnahmen in der Vorflut, stark verarmt.



Im NSG "Körbecker Bruch" fanden sich 2004 von Dactylorhiza majalis durchweg kümmerliche Exemplare. Die Pflanzen sind zur Zeit der Knospe erfroren. An einem weiteren etwas weiter südlich gelegenen Standort fand sich erstmals ein Exemplar der Art.

Auf einer eher mageren Wiese gedeiht ein kleiner Bestand von Saxifraga granulata.

Die bis Ende der 1990er Jahre festgestellten Arten Galium boreale, Salvia pratensis und Serratula tinctoria konnten 2004 wie auch in den beiden Vorjahren nicht bestätigt werden.

Zum Schutz von Trollius europaeus gegen Wildverbiss wurde erstmals ein Wildvergrämungsmittel erprobt (vgl. Kap. 6.1.1), dessen Einsatz ein Blühen und Fruchten von insgesamt 1200 Blütenständen an zwei Standorten ermöglichte.


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Tab. 17 b: Monitoring Flora 2004 - Feuchtlebensräume (Teil 2)

Auf den Feuchtflächen bei Steinheim-Ottenhausen war der Bestand von Menyanthes trifoliata im zentralen Bereich von Multhöpen mit einem Deckungsanteil von ca. 10 % Deckung wie schon 2003 stabil. Hier und da fanden sich zwar Trittsiegel, die weidenden Rinder scheinen den zentralen, stark vernässten Bereich der Fläche aber zu meiden. Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza majalis sind von den weidenden Rindern hingegen vermutlich zertreten worden: Konnten 2002 noch sieben Exemplare Dactylorhiza majalis und drei Exemplare Dactylorhiza maculata und 2003 ein kümmerliches Exemplar von Dactylorhiza majalis gezählt werden, wurde 2004 von beiden Arten kein einziges Exemplar mehr aufgefunden.

Auch Triglochin palustre war wie schon im Vorjahr kurz vor dem Fruchten bis auf wenige Exemplare verbissen worden.

Die Teilfläche Bruchstädte (Steinheim-Ottenhausen) zeigte sich in einem gut gepflegten Zustand, demgegenüber war insbesondere der vordere Teil der Teilfläche Uhlenbruch wie schon in den vergangenen Jahren unterbeweidet. Im hinteren (westlichen) Teil des Uhlenbruches finden sich große Individuenzahlen von Ranunculus flammula, was im Juni zu einem schönen Blühaspekt gereicht.


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Die Bestände von Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza majalis im NSG "Pölinxer Wiesen" waren unter der Rinderbeweidung stabil. An den Pflanzen konnten keine Fraßspuren oder übermäßige Trittschäden festgestellt werden. Die Exemplare von Dactylorhiza majalis waren dennoch meist kümmerlich, wahrscheinlich sind sie auch hier zur Zeit der Knospe durch Frost geschädigt worden.

Im NSG "Reitwiesen" fanden sich 2004 nur wenige kümmerliche Exemplare von Dactylorhiza majalis, die nicht zur Blüte gelangten. Auch sie scheinen zur Zeit der Knospe erfroren zu sein. Insgesamt zeigt das Gebiet aber eine gute Entwicklung, d. h. stabile Bestände der wertbestimmenden Arten. So hat sich z.B. der Bestand von Dactylorhiza maculata im nördlichen und vor Durchführung der Pflegemahd im Jahr 2003 noch stark verbrachten Teil der Fläche deutlich ausdehnen können. Ebenso hat sich der außerhalb des zentralen Kalkflachmoorbereiches gelegene, größte Bestand von Parnassia palustris nach den beiden Pflegemahden 2003 und 2004 mit aktuell ca. 60 Exemplaren deutlich vergrößert. Der von SCHIFFGENS (1990) beschriebene Triglochin palustre konnte wie in den beiden vergangenen Jahren nicht mehr gefunden werden.

Trollius europaeus wurde im Rietbruch 2003 kurz vor dem Fruchten nahezu vollständig von Wild verbissen. 2004 konnten wieder 42 Exemplare gezählt werden, von denen jedoch nur zehn zum Blühen und Fruchten kamen.

Das NSG "Saatzer Moor" präsentiert sich 2004 in einem ähnlich guten Zustand wie in den Vorjahren. Die deutliche Abnahme der Individuenzahlen von Carex pulicaris und Parnassia palustris verbunden mit dem Vordringen von Arten wie Lysimachia vulgaris oder Calamagrostis epigejos lassen jedoch vermuten, dass sich die 2003 erfolgte Räumung des das Gebiet flankierenden Grabens in einer Abtrocknung des zentralen Kalk-Flachmoorbereiches äußert.

Der Neubürger Impatiens glandulifera kam im zentralen Flachmoorbereich, wahrscheinlich infolge des 2003 durchgeführten Ausreißens von mehreren hundert Exemplaren, in einer erfreulich geringen Individuenzahl vor.

Im Tiggesgrund bei Brakel-Istrup hat Carex flava agg. seit dem Entfernen der Grauweiden-Gebüsche 2000 und der jährlichen Pflegemahd in ihrem Bestand deutlich zugenommen. Der Bestand von Lithospermum officinale war im Berichtsjahr stabil. Epipactis palustris weist einen deutlichen Bestandsrückgang auf, für den sich keine nachvollziehbaren Begründungen finden. Offensichtlich liegen hier normale Populationsschwankungen vor.


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3.2.2.2 Trocken-magere Lebensräume

Tab. 18 a: Monitoring Flora 2004 - Kalk-Halbtrockenrasen (Teil 1)

Im NSG "Bramberg" fand bis Anfang Juli keine Beweidung statt. Als Folge hiervon breitete sich Schlehenjungwuchs stark in die Flächen aus. Die zwischen Juli und September erfolgende Beweidung von Teilbereichen war von der Besatzdichte und von der Beweidungsdauer her unzureichend, so dass sich der schlechte Zustand der Flächen nur wenig besserte. Recht gut beweidet wurde lediglich die vordere (östliche) Teilfläche.

Die Ziegenweiden (Heidkämpe, Schnegelberg) bei Dalhausen zeigten sich in einem gut gepflegten Zustand. Der überwiegende Teil der Flächen war kurzrasig und gut verbissen, in Bereichen mit liegen gebliebenem Schnittgut oder mit lockerer Verbuschung fanden sich höher-


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Im NSG "Desenberg" blühte Saxifraga granulata wie 2003 massenhaft in den rinderbeweideten Weiden am Unterhang sowie in Teilflächen der Basaltkuppe.

Um ein Aussamen der Pflanzen zu ermöglichen, wurde ein Teilbereich mit einem besonders dichten Bestand an Knöllchen-Steinbrech beim ersten Weidegang ausgespart. Der Desenberg weist insgesamt einen guten Pflegezustand auf, an einigen Stellen sollte allerdings weiter Gehölzjungwuchs zurückgedrängt werden. Das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), auf das HACKER (2003 mündl.) hinweist, konnte wie schon im Vorjahr nicht aufgefunden werden. Am Fuße der Burgruine findet sich allerdings ein guter Bestand von Ballota nigra.

Auf der Ackerfläche im Bereich der landeseigenen Flächen Franzosenschanze im neuen NSG "Kalkmagerrasen bei Ossendorf" konnten bis 2002 die Ackerwildkräuter Consolida regalis, Falcaria vulgaris, Galium tricornutum und Legousia hybrida in guten Beständen erfasst werden:

2003 und auch 2004 wurden Consolida regalis und Falcaria vulgaris abermals nachgewiesen, die Individuenzahlen waren allerdings wesentlich geringer als im Vorjahr. Die beiden anderen genannten Rote-Liste-Arten fehlten im Artenspektrum. Auch WEIFFEN (2004 mündl.) gelang 2004 kein Nachweis der beiden Arten. Auch die Wildkrautflora insgesamt war von der Artenzahl wie auch von der Deckung her nur äußerst spärlich entwickelt. Die Vermutungen, dass evtl. Herbizide gespritzt oder die Fläche mechanisch bearbeitet worden sein könnte, bestätigten sich nach Rücksprache mit dem Nutzer nicht. Evtl. ist die spärliche Krautschicht auf den gegenüber Wintergetreide dichteren Halmschluss des 2003 angebauten Triticale und der 2004 angebauten Sommergerste zurückzuführen.

Im Bereich des wegbegleitenden Ackersaumes ist im Frühjahr 2004 eine Stromleitung verlegt worden. Der artenreiche Saum mit einem hervorragenden Bestand von Lathyrus tuberosus ist dabei vernichtet worden. Ob sich die Knollen-Platterbse im Bereich des Saumes wieder ansiedeln wird, ist 2005 zu prüfen.

Insbesondere der nördliche aber auch der ganz im Süden gelegenen Teil des NSG "Goldberg" ist durch aufkommenden Schlehenjungwuchs gekennzeichnet. Im Norden liegt eine ausgesprochene Versaumung vor, allerdings kommt hier der Acker-Wachtelweizen in einem guten Bestand vor.


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Tab. 18 b: Monitoring Flora 2004 - Kalk-Halbtrockenrasen (Teil 2)

Am Gräunenberg präsentierten sich die Hangbereiche in einem kurzrasigen, gut abgeweideten Zustand, während die wüchsigere Kuppe einen unterbeweideten Eindruck machte. Auch an den Hängen breitete sich von Gebüschinseln aus die Schlehe in die Fläche hinein aus. Die Bestände von Orchis militaris und Orchis tridentata sind stabil.

Am Hamberg war Prunella laciniata 2002 letztmals mit einem, allerdings sehr üppigen, Exemplar aufgefunden worden. Wie schon 2003 gelang auch 2004 kein Nachweis.

Cerinthe minor konnte 2004 mit einem guten Bestand erfasst werden. Erstmals konnte Gentiana cruciata im Gebiet nachgewiesen werden.

Der Hamberg schien in der ersten Hälfte der Beweidungsperiode deutlich unterbeweidet, zumindest im östlichen Hangbereich und auf dem im Nordosten des Gebietes gelegenen ehemaligen Kalkscherben-Acker erfolgte im zweiten


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Halbjahr jedoch ein intensiver Verbiss durch die weidenden Rinder.

Am Hartheiser Berg fand sich Prunella laciniata auf der zentralen Weidefläche mit einem beeindruckenden Bestand von 2.500 Exemplaren. Ebenfalls in guten Beständen kommt im westlichen Teil des Gebietes Gentiana cruciata vor. Orobanche purpurea konnte mit zwei, allerdings aus dem Vorjahr stammenden trockenen Sprossen nachgewiesen werden. Laut HÄCKER (mündl.) kam Orobanche purpurea in den letzten Jahren nie in großen Individuenzahlen vor.

Im Bereich des NSG "Heinberg" finden sich kleinflächige gut gepflegte, kurzrasige Kalk-Halbtrockenrasen. Die Flächen sind in den letzten Jahren von der Landschaftsstation sowie vom Naturkundlichen Verein Egge-Weser gepflegt worden. Die Individuenzahlen der aufgefundenen Monitoring-Arten sind insgesamt niedrig. Orchideen wie auch Enziane finden sich kaum im Bereich der kurzrasigen Bestände, stattdessen überwiegend in Säumen und lichten Gehölzbeständen.

Im NSG "Hellberg-Scheffelberg" kommt Antennaria dioica 2004 mit zahlreichen Exemplaren vor, von denen, eventuell aufgrund der großen Trockenheit des Vorjahres, jedoch nur wenige zur Blüte gelangten. Der Südhangbereich des Scheffelberges präsentiert sich dem Unterhang zu in zunehmendem Maße unterbeweidet. Neben einer ausgesprochenen Vergrasung sind Teilbereiche mit Schlehenjungwuchs bestanden. Die Bestandsschwankungen der Orchideen sind auch hier wahrscheinlich auf jährliche Populationsschwankungen zurückzuführen.


Im Bereich des NSG "Kahlenberg" präsentiert sich der im östlichen Teil des Gebietes gelegene Westhang in einem gut gepflegten, kurzrasigen Zustand. Die Zahl der blühenden Exemplare von Orchis militaris war hier 2004 höher als im Vorjahr. Eine echte Bestandsverschiebung ist hier aber unwahrscheinlich.

Der im westlichen Teil des Gebietes an der Gebietsgrenze gelegene Westhang ist dagegen stark vergrast und verfügt wie auch der nordexponierte Oberhang im westlichen Teil und der ebenfalls nordexponierte Unterhang im östlichen Teil über eine dicke Streufilzauflage.


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Tab. 18 c: Monitoring Flora 2004 - Kalk-Halbtrockenrasen (Teil 3)

Im mittleren Teil des NSG "Kalkberg" findet sich eine lockere Verbuschung mit Rosa rubiginosa und Rosa canina. In den Randbereichen breitet sich hingegen die Schlehe aus.

Im NSG "Mühlenberg" fallen deutlich geringere Individuenzahlen von Gentiana cruciata und Gentianella ciliata auf. Grund hierfür könnte die große Trockenheit des Sommers 2003 und die sich hieraus ergebende Tatsache sein, dass beide Arten im Vorjahr während oder nach der Blüte vertrocknet sind und nicht zum Fruchten kamen. Ebenfalls niedriger fielen die Individuenzahl von Orchis militaris, Orchis tridentata und Orchis purpurea aus. Hierbei ist aber von natürlichen Populationsschwankungen auszugehen.


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Der im Nordwesten des Gebietes gelegene wüchsige Osthang sowie der ebenfalls wüchsige Kuppenbereich im zentralen Teil des Gebietes präsentieren sich tendenziell unterbeweidet und relativ blütenarm.

Während der westliche Teil des NSG "Räuschenberg" gut beweidet wurde, ist der östliche Zipfel des Gebietes verbracht und mit Schlehe verbuscht. Die Individuenzahlen der Monitoring-Arten entsprechen aber etwa denen des Vorjahres.

Im NSG "Rumberg" fand bis Anfang Juli keine Beweidung statt. Als Folge hiervon breitete sich Schlehenjungwuchs stark in die Flächen aus. Die zwischen Juli und September erfolgende Beweidung von Teilbereichen war von der Besatzdichte und von der Beweidungsdauer her unzureichend, so dass sich der schlechte Zustand der Flächen nur wenig besserte. Recht gut beweidet wurden lediglich die vorderen (östlichen) Teilflächen von Bramberg und Rumberg.

Im NSG "Stockberg" (vgl. hierzu Kapitel 3.1.2) wurden von Gymnadenia conopsea deutlich mehr, von Epipactis atrorubens, Orchis mascula, Orchis militaris und Orchis tridentata deutlich weniger Exemplare als im Vorjahr gezählt. Da gerade die Bestände der Orchideen aber von Jahr zu Jahr typischerweise größeren Schwankungen unterworfen sind (eigene Beobachtungen sowie HÄCKER, mündl.), ist hier nicht auf echte Bestandsverschiebungen zu schließen.

Der Fumana procumbens-Bestand im östlichen Teil des NSG "Stockberg" war kurz vor der Blüte einige Stunden lang versehentlich mitbeweidet worden. Die Pflanzen sind jedoch glücklicherweise nicht verbissen worden und gelangten im Juli zur Blüte.



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Tab. 18 d: Monitoring Flora 2004 - Kalk-Halbtrockenrasen (Teil 4)

* - Das floristische Monitoring im Bereich der Kalktriften erfolgte ehrenamtlich, unterstützt durch die Praktikanten der Landschaftsstation

Der nördlich des Weges gelegene, in Hütehaltung beweidete Teil des NSG "Weldaer Berg" zeigt sich in einem hervorragenden kurzrasigen Zustand mit einem schönen Wacholderbestand, lediglich am Nordrand der Fläche könnte die Beweidung etwas intensiver durchgeführt werden. Südlich der Autobahn 44 findet sich teils starke Verbuschung, v.a. durch Schlehe. Ähnlich wie im NSG "Hellberg-Scheffelberg" fanden sich auch am Weldaer Berg gute Antennaria dioica-Bestände, die allerdings ebenfalls nur selten zur Blüte gelangten.


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3.2.3 Zusammenfassende Bewertung der Flächen aus vegetationskundlicher Sicht

 

Abb. 17: Pflege im Feuchtgebiet
(Foto: Frank GRAWE)

Literatur zu 3.:

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4. Aufbau einer Initiative zur Vermarktung von Produkten aus Streuobstbeständen des Kreises Höxter

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