Schriftenreihe 1983/2 (Band 2/ Heft 2) Seiten 43-108 hier: 48-56 (Fische)

Die Verbreitung der Wirbeltiere im Kreis Höxter

Zusammengestellt von K. Preywisch, Höxter

Herrn Prof. Dr. Polt Dircksen zum 75. Geburtstag gewidmet

1. Meeresneunauge Petromyzon marinus
LANDOIS(1892) schreibt: "..in der dringt sie höchstens bis Hameln vor, da sie auch in diesem Flusse an dem dort angelegten neuen Wehre nunmehr ein unübersteigbares Hindernis findet. Früher war das anders .. wir besitzen noch einen derartigen Fisch aus der Weser bei Höxter, welcher bei dem ansehnlichen Körpergwichte von 0,75 kg eine Länge von 83 cm und einen Leibesumfang von 19 cm besitzt". MEYER u. a. (1970) und BUHSE(1980) erwähnen die Art nicht mehr für unseren Raum.
2. Flußneunauge Lampetra fluviatilis
1892 schreibt LANDOIS, daß vor Jahrhunderten die Flußneunaugen in Westfalen ein Massenfisch waren, und sagt über die Verhältnisse in der Weser, daß "das Wehr von Hameln ihren Aufstieg hindert, sodaß sie nur bis zu diesem Punkte noch häufig angetroffen werden. Ehemals zog das Flußneunauge höher hinauf und. ward auch in den Nebenflüssen der Weser, wie Emmer, Nethe und anderen öfters gefangen." MEYER u.a. (1970) und BUHSE (1980) geben die Art für die Oberweser nicht mehr an.
3. Bachneunauge Lampetra planeri
Nach BUHSE(1980) in der Weser vereinzelt, in den Bächen manchmal an Stellen recht häufig. Stark wechselnd.
4. Stör Acipenser sturio
Nach LANDOIS (1892) ist der Stör innerhalb des 19. Jahrhunderts nicht über Hameln hinaus beobachtet worden. Doch "hat man das Skelett eines Störs, der vor Zeiten einmal in der Weser hinter Corvey gefangen worden ist, bis auf den heutigen Tag noch immer in der dortigen Kirche aufgehängt."
5. Lachs, Salm Salmo salar
LANDOIS (1892): "Der bei weitem lachsreichste und daher für den Lachsfang wichtigste Fluß ist immer noch die Weser .. so sind die Salme daselbst, wenigstens bis Hameln, noch häufig .. 1872 gelingt es etwa 30% der Lachse, das Wehr und die Schleuse bei Hameln zu passieren und so den Aufstieg bis zu den Quellbächen des Weserstroms zu gewinnen." Um 1900 wurden die Lachse noch bei der Godelheimer Papierfabrik aus der Nethe mit der "Grepe" an Land geworfen. Dort wurden die letzten 1920 gefangen (RIKUS,1976a). Keine Angaben mehr bei MEYER u.a.(1970) u. BUHSE.
6. Meerforelle, Lachsforelle Salmo trutta
In der Weser ist die Lachsforelle nach LANDOIS(1892) ein Seltenheit, "doch sind bei Höxter Fische gefangen, welche 7 kg wogen." Unter der Holzmindener Weserbrücke wird 1905 eine 35-pfündige Lachsforelle gefangen (H. HARMS in Neue Westfälische HX v.21.3.81). Nicht mehr in MEYER (1970) und BUHSE (1980).
7. Bachforelle Salmo trutta forma fario
"Im Stromgebiet der Weser trifft man sie in allen Nebenflüssen, .. in der Weser selbst nur äußerst selten" (LANDOIS 1892). Inzwischen haben diese und die folgende Art ihren Prozentanteil am Gesamtfischbestand der Weser entlang der Kreisgrenze von 1.9 im Jahre 1960 auf 9.5 im Jahre 1978 fast gleichmäßig erhöht und, damit ihre Salzfestigkeit bewiesen. Daß die Bachforelle noch fast in allen übrigen Fließgewässern des Kreises anzutreffen ist, zeugt von deren Reinheit.
8. Regenbogenforelle Salmo gairdneri
Dieser schmackhafte Fremdfisch aus Nordamerika kommt bei uns wahrscheinlich nur als Bastardform vor. EB mit voriger Art 0.5%
9. Saibling Salvelinus spec.
Es ist unklar, wie weit es sich um ausgesetzte Bachsaiblinge (S.fontinalis) oder deren Bastarde handelt oder um heimische Wandersaiblinge (S.alpinus). In der Weser nach BUHSE (1980) vereinzelt.
10. Äsche Thymallus thymallus
Im Gegensatz zu Niedersachsen ist die Äsche bei uns noch Charakterfisch im Unterteil der Weserzuflüsse. Wie die Bachforelle in deren Oberteil zeigt sie Sauerstoffreichtum an. In der Weser selbst kam (LANDOIS 1892) und kommt (BUHSE) 1980) sie nur vereinzelt vor.
11. Plötze, Rotauge Rutilus rutilus
Die Plötze lebt gesellig in fast allen Gewässertypen von genügender Tiefe. In der Weser war sie 1960 nach BUHSE (1980) noch die weitaus häufigste Fischart, sank aber bis 1978 wegen ihrer Salzempfindlichkeit an die zweite Stelle, nämlich von 41.2 auf 29.2 %.
12. Moderlieschen Leucaspius delineatus
LANDOIS (1892) kannte noch kein Vorkommen der Art in Westfalen, nur eine Angabe, daß sie unter dem Namen Mottke im Wesergebiet vorkomme. 1982 setzte K.MÜLLER Moderlieschen als Köderfisch in einem Baggersee bei Godelheim aus.
13. Hasel Leuciscus leusiscus
Bei uns offenbar nur in der Weser und unteren Nethe, nicht sehr zahlreich. EB 28.0%, wenig salzempfindlich.
14. Döbel Leuciscus cephalus
"Der Döbel kommt in der Weser, der unteren Diemel, der Emmer und z.Zt. in sehr großer Anzahl in der unteren Nethe vor." (RIKUS 1976b) EB 4.5%
15. Aland, Orfe Leuciscus idus
Einer der weniger häufigen Weserfische, durch Aussetzen ergänzt. Nach BUHSE(1980) wahrscheinlich vereinzelt verbastardisiert. Die Spielart Goldorfe dürfte stellenweise ausgesetzt sein. EB 0.1%
16. Elritze Phoxinus phoxinus
Dieser Fisch sauerstoffreicher, klarer Gewässer kommt noch schwarmweise vor.
17. Rotfeder Scardinius erythrophthalmus
Die Rotfeder ist ein Fisch stiller Gewässer. RIKUS(1976b): "Sie kommt selten neben neben der Plötze in Kiesgruben und der Weser vor." EB 0.7%
18. Schleie Tinca tinca
"Schleien bevorzugen schlammiges, verkrautetes Gewässer. Sie kommen in Teichen und ruhigen Flußabschnitten der Diemel und Emmer vor."(RIKUS 1976b). In der Weser schwankt ihr Prozentanteil am Gewicht der gefangenen Fische zwischen 1.2 1966 und 0.05 1973 innerhalb von 19 Fangjahren (BUHSE 1980). EB 0.3%.
19. Nase Chondrostoma nasus
LANDOIS(1892): "Aus der Weser kennen wir sie von Hameln, wo sie besonders im Mai .. viel gefangen und recht häufig mit der Zährte oder Rußnase .. verwechselt wird." MEYER u.a.(1970) geben die Art als "regelmäßig gefangen" in unserem Weserabschnitt an, kennen aber die Rußnase nicht als niedersächsische Art. RIKUS(1976a) fängt beide Arten an der Nethemündung. EB 2.2%.
20. Gründling Gobio gobio
Nach LANDOIS(1892) in der Weser sehr häufig, was auch MEYER (1970) bestätigt. Nach RIKUS(1976b) hat er dort "in den letzten 3-4 Jahren" sehr stark abgenommen. Er kennt ihn auch aus Diemel und Emmer. Nach BUHSE(1980) gehört der Gründling zu den Arten, die durch Salz stark erkranken. EB 3.1%.
21. Barbe Barbus barbus
LANDOIS(1892):"In der Weser ist sie häufig und sind bei Höxter Exemplare von 60-100 cm und 4-6 kg gefangen worden". RIKUS(1976a) gibt wesentlich kleinere Maße an. MEYER (1970) bezeichnet sie als selten in unserem Weserabschnitt. Nach BUHSE (1980) leidet die Art unter der Salzfracht stark. EB 0.6%!
22. Ukelei, Laube Alburnus alburnus
Dieser Weißfisch lebt in Schwärmen nahe der Wasseroberfläche. In den Unterläufen der Weserzuflüsse und in ihr selbst. EB 3.2%. Stark auch in manchen Kiesgruben vertreten.
23. Schneider Alburnoides bipunctatus
LANDOIS(1892): Nicht selten in der Weser, wird bei Höxter einfach Blecke genannt. MEYER(1970), RIKUS(1976b) und BUHSE(1980)erwähnen die Art nicht mehr. Hier wird der Ukelei "Schneider" genannt.
24. Güster, Blicke Blicca bjoerkna
Bei LANDOIS(1892), MEYER(1970) und RIKUS(1976b) als Weserfisch genannt. Nach BUHSE(1980) erkrankt sie stark durch Salz. EB 0.2%.
25. Brasse, Blei Abramis brama
LANDOIS(1892): In der Weser lebt er in Mengen. MEYER(1970) nennt die Art regelmäßig bis häufig in unserem Weserabschnitt, auch eingesetzt. RIKUS(1976b) kennt ihn ebenfalls als typischen, häufigen Weserfisch. Auch der Brassen gehört nach BUHSE zu den Arten, die durch Salz stark erkranken. EB 1.3%, in der Fangstatistik aber häufiger.
26. Zährte, Rußnase Vimba vimba
LANDOIS: "In der Weser wurde die Zährte bei Höxter und Minden gefangen, aber immer nur einzeln. In Weser und Diemel nicht so selten wie die Nase. Nicht sehr salzempfindlich. EB 1.0%
(Bitterling Rhodeus sericeus amarus)
Nach LANDOIS ("Ferner wird er von Hameln angegeben, wo er in der Weser lebt und 'Marienblecke' genannt wird") und MEYER, wo er als "Kleinfisch unserer Gewässer" ohne genauere Ortsangaben aufgeführt ist, wäre ein Vorkommen des Bitterlings nicht ausgeschlossen.
27. Karausche Carassius carassius
In der Weser nach BUHSE vereinzelt (EB 0,1%), in stehenden Gewässern, selbst in kleinsten, oft in großer Zahl. Sehr schwer von der folgenden Art zu trennen.
28. Giebel, Silberkarausche Carassius auratus gibelio
Starkes Vorkommen in den Nieheimer Tongruben.
29. Karpfen Cyprinus carpio
Der Karpfen, in den Baggerseen, Weser, Emmer und Diemel immer wieder eingesetzt, gehört in der Weser zu den weniger salzempfindlichen Fischarten (BUHSE 1980). EB 0.4%
30. Bartgrundel, Bachschmerle Noemacheilus barbatulus
Grundfisch der Forellenregion, wohl verbreiteter als angegeben.
(Schlammpeitzger Misgurnus fossilis)
LANDOIS und MEYER lassen nicht erkennen, ob dieser Bewohner schlammiger, sauerstoffarmer Gewässer bei uns beobachtet wurde.
(Steinbeißer, Dorngrundel Cobitis taenia)
LANDOIS: "Von Höxter .. nicht vermerkt" (ebensowenig bei MEYER)
31. Wels, Waller Silurus glanis
1975 bei Beverungen und 1976 bei Godelheim in die Weser, 1978 in die Godelheimer Baggerseen eingesetzt. Dort mit 1,5 bis 2 kg eingesetzt, 1982 stärkster Rückfang 10 kg.
32. Zwergwels, Katzenwels Ameirus nebulosus
Einmal in der Brucht ausgesetzt, nicht wiedergesehen (KRUS mdl.)
33. Aal Anguilla anguilla
Wanderfisch, der in alle Gewässer vordringt. Widerstandsfähig gegen Salzbelastung, dadurch nahm der Anteil der Aale am Gesamtfang in unserem Weserabschnitt (BUHSE 1980), aber auch, weil regelmäßig Glasaale aus Mitteln des KKW Würgassen eingesetzt werden. EB 8.6%.
34. Hecht Esox lucius
Fisch der tieferen stehenden und fließenden Gewässer, häufig auch eingesetzt. Sehr salzempfindlich, deshalb Rückgang von bis 11% der Gesamtfänge anfangs der 60er Jahre auf 2.5% 1978. Kam nach MÜLLER (mdl.) 1982 wieder stärker in der Weser vor. EB 0.5%
35. Flußbarsch Perca fluviatilis
Häufiger Fisch der tieferen stehenden und fließenden Gewässer. Wird durch Salz kaum krank. Steht nach Plötze und Hasel mit 10.5% an dritter Stelle in der EB.
36. Zander, Schill Lucioperca lucioperca
LANDOIS (1892): "Fehlt im Gebiet der Weser .. ganz und gar". 1900-1925 gelingt die Einbürgerung von Elbzandern in der Oberweser (H.HARMS, Neue Westfälische HX vom 21.3.81). MEYER (1970): In der Oberweser selten, auch eingesetzt. Leidet nach BUHSE (1980) nicht stark unter Salz und hat seinen Fanganteil von 1960 - 1978 deutlich erhöht. EB 0.5%. Jährlicher Besatz aus Mitteln des KKW Würgassen.
37. Kaulbarsch Acerina cernus
Nach LANDOIS in Westfalen fast überall, wenn auch meist selten. MEYER verzeichnet die Art als selten bis regelmäßig in der Oberweser. BUHSE fing sie dort vereinzelt. Auch in den Kiesgruben und wahrscheinlich in der unteren Nethe.
38. Groppe, Mühlkoppe Cottus gobio
Noch in vielen unserer steinigen Bäche. LANDOIS: In der Weser nicht gefunden. BUHSE: In der Weser nur vereinzelt, EB 0.2%.
39. Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus
Häufiger Kleinfisch auch kleiner, sauerstoffarmer Gewässer.
40. Neunstachliger Stichling Pungitius pungitius
LANDOIS:".. bei Höxter nur in stehenden Gewässern". Diese Angabe des sonst so zuverlässigen Werkes erscheint nach FELDMANN (1980) wenig wahrscheinlich, außer es handelte sich um Aussetzungen. Diese muß man auch für die beiden Fundplätze bei Hümme und Steinheim annehmen.
41. Quappe, Rufte Lota lota
Schon LANDOIS bemerkt eine Abnahme, gibt die Art aber noch für Bever und Emmer an. BUHSE hat sie noch vereinzelt in der Oberweser festgestellt.